Neu-Ulm Die Wachstums- und Effizienzoffensive „Globe 2013“ aus dem Hause Daimler schlägt bei Evobus nicht ganz so hart durch, wie vor drei Monaten noch befürchtet: Statt der von Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall kolportierten 1000 Stellen werden „nur“ 630 abgebaut, davon vermutlich 370 in Neu-Ulm. Zudem müssen zehn Prozent der etwa 180 Leiharbeiter gehen.
Was Daimler eine Stärkung der „Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produktionsstandorte“ nennt, ist bei genauerer Betrachtung ein massiver Personalabbau, wenngleich „sozialverträglich“. Die jetzt vereinbarten Maßnahmen sehen zudem einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember 2018, eine jährlich garantierte unbefristete Übernahme von 90 Prozent aller Auszubildenden bei Erhalt der bisherigen Ausbildungskapazität sowie wichtige Produktneuanläufe an den Standorten Mannheim und Neu-Ulm vor.
Das Werk Neu-Ulm bleibt als Produktionsstandort für Reisebusse der Marke Setra gesetzt. In die Entwicklung der neuesten Generation von Reisebussen, die teilweise dieser Tage vorgestellt wurde, hat Daimler nach Informationen unserer Zeitung 390 Millionen Euro gesteckt.
Mit „Turboprämie“ soll die Altersteilzeit versüßt werden
„Wir haben wieder eine Perspektive“, sagte gestern der Betriebsratsvorsitzende Friedrich Beck, nachdem klar ist, dass die „schlimmsten Befürchtungen“ nicht eintreten. An der „unternehmerischen Entscheidung“, den Mercedes-Benz-Reisebus „Travego“ künftig komplett in der Türkei zu produzieren, habe der Betriebsrat freilich nicht rütteln können. Doch von Daimler bei den Verhandlungen ins Spiel gebrachte „Ideen zur Kostenoptimierung“ hätten verhindert werden können. So kommt es etwa nicht zur Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, der Tarif bleibt unverändert bestehen. Zunächst verworfen wurde auch eine angedachte Verlagerung des Setra-Einstiegsmodells. Der Überlandbus soll bis mindestens 2015 ebenfalls ausschließlich in Neu-Ulm produziert werden.
„Wir stehen zum Produktionsstandort Deutschland und wir machen unsere deutschen Werke fit für die Zukunft“, sagte gestern Hartmut Schick, der Leiter der Daimler-Bussparte, über die Gesamtbetriebsvereinbarung mit dem Titel „Soziale Gestaltung der Internationalisierung des Busgeschäfts“.
Der sozialverträgliche Abbau der etwa 370 Stellen in Neu-Ulm wird auch durch die Altersstruktur im Werk möglich: 300 Mitarbeiter sind älter als 54. Denen soll nach Informationen unserer Zeitung der Abschied versüßt werden. Per „Turboprämie“ wird die Abfindung von 6000 Euro auf 21000 Euro mehr als verdreifacht. Bis zu 85 Millionen Euro lässt sich das Evobus in Zukunft kosten. Beim Abschluss von Auflösungsverträgen müssen beide Seiten zustimmen.
Zudem wird eine standortübergreifende Arbeitsgruppe gegründet, die Arbeitsprozesse unter die Lupe nehmen soll. Bedarf ist aus Sicht des Betriebsrats da: „Wir haben ein großes internes Verbesserungspotenzial“, sagt Friedrich Beck. Viel zu schnell seien die Prozesse des großen Autobauers Daimler auf den vergleichsweise kleinen Busbauer übertragen worden. Eine „bürokratische Überregulierung“ sei die Folge gewesen. "Wirtschaft