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Europa: Fachleute zwischen Fonds und Ferkeln

Europa

Fachleute zwischen Fonds und Ferkeln

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    Eine Krankenschwester kritisierte das angedachte Abitur für Pflegekräfte.
    Eine Krankenschwester kritisierte das angedachte Abitur für Pflegekräfte.

    Weißenhorn Geht es nach den Zuschauern in der Schranne, dann muss Europaabgeordneter Manfred Weber (CSU) möglichst bald zum Telefon greifen – und seine Parteikollegin Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner anrufen: Dies zumindest empfahl ihm Irmtraud Richardson, die Moderatorin der Fernsehsendung „Jetzt red i, Europa“, bei einer Aufzeichnung in Weißenhorn zur großen Freude der Gäste. Der CSU-Mann wollte den Europafrust zur Schlachtstättenverordnung nicht über sich ergehen lassen – und verwies nach Berlin.

    Im ältesten Gebäude der Fuggerstadt stellten sich neben Weber die Europaabgeordnete Barbara Lochbihler (Grüne) und Volkswirtschaftler Joachim Starbatty im Auftrag des Bayerischen Fernsehens den Sorgen der Bürger aus der Region. Mehrere hatten, wie berichtet, Themen vorgeschlagen, einige kamen nun zu Wort. Zu sehen ist die Sendung aus Weißenhorn heute Abend.

    Unter Dutzenden von Scheinwerfern drängen sich rund 100 Bürger um Biertische, Techniker fahren schwere Kameras durch die Gänge, junge Frauen in Dirndln schleppen Tabletts mit Weißbieren ins Publikum: Beste Wirtshausatmosphäre herrscht in der Schranne, als Moderator Tilmann Schöberl pünktlich um 19 Uhr das Prozedere erklärt: „Erst melden und dann ins Mikrofon sprechen.“ Und ganz wichtig: „Handys aus“. Dann geht’s los.

    Ferkel müssen 240 Kilometer weit gefahren werden

    Landwirt Andreas Wöhrle aus Pfaffenhofen macht den Anfang. Er kritisiert die EU-Hygieneverordnung für Schlachtstätten, die kleine Betriebe überfordere. Wöhrle muss seine Ferkel derzeit 240 Kilometer weit zu einem Schlachter bringen lassen. Moderator Schöberl spitzt zu: „Heute wird die arme Sau quer durch Bayern gefahren, früher tat es auch der Metzger um die Ecke.“ Abgeordnete Lochbihler schlägt vor, Ausnahmen auszuhandeln, so wie in Österreich. Weber stimmt ihr zu: Etwa 80 Prozent aller Metzger könnten von der Verordnung befreit werden. „Das ist ein deutsches Problem“, ist er sich sicher und will „Berliner Überlegungen unterstützen“. Darauf Moderatorin Richardson: „Dann rufen Sie doch gleich mal bei Frau Aigner an.“ Es gibt Beifall.

    Nach der Wahl von François Hollande zum französischen Präsidenten – was wird nun aus dem deutsch-französischen Sparkurs? Diese Frage stellt ein Schüler des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums. Weber gibt sich hart: „In Europa muss verstanden werden, dass man nicht mehr Geld ausgeben kann, als man hat.“ Lochbihler antwortet diplomatisch: „Es ist ja nicht so, dass andere Staaten kein wirtschaftspolitisches Wissen hätten.“

    Auch Spanien steht auf der Liste – kein Euro-Land werde derzeit so heftig von der Krise gebeutelt, so Moderatorin Richardson. Dies bestätigt der gebürtige Ulmer Manuel Diaz Moreno aus Weißenhorn. Der Immobilienhändler aus Alicante hat seinen Job verloren, weil niemand mehr Häuser kaufen konnte. In seiner schwäbischen Heimat arbeitet der 44-Jährige jetzt in der Versicherungsbranche, schickt Geld an seine Frau und Kinder nach Spanien.

    „Faule Kredite“ als Auslöser der Immobilienkrise in Spanien

    Starbatty macht „faule Kredite“ für den Niedergang der spanischen Immobilienwirtschaft verantwortlich: „Die Zinsen waren negativ, jeder kaufte auf Spekulation.“ Der Schaden: bis zu 200 Milliarden Euro. Eine Umschuldung auf andere Länder, etwa über einen gemeinsamen Fonds, hält Starbatty für gefährlich. Sein Urteil: „Spanien und Griechenland müssen so schnell wie möglich aus dem Euro austreten, um konkurrenzfähig zu bleiben.“

    Weitere Themen der rund eineinhalbstündigen Aufzeichnung: Das Schengen-Abkommen, der Kampf gegen die Varroa-Milbe, Abitur für Krankenpfleger und nicht behindertengerechte Toiletten in Flugzeugen. Mit Spannung dürften die Weißenhorner erwarten, wer es in die 45-minütige Sendung geschafft hat. Und ob die nervtötenden Zwischenrufe eines Grantlers aus dem Hintergrund auch zu hören sind. Doch in der Schranne war auch viel Versöhnliches zu vernehmen: Die Wirtshauskapelle zum Ewigen Licht sorgte für wohlklingende Töne.

    Bei uns im Internet

    Viele weitere Fotos vom Fernsehdreh in der Schranne finden Sie unter

    www.nuz.de/bilder

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