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Prozess: Für BRK-Chef Baur geht es "um Alles"

Prozess

Für BRK-Chef Baur geht es "um Alles"

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    Für den suspendierten BRK-Chef Alfred Baur geht es im Busengrapscher Prozess vor dem Amtsgericht Neu-Ulm „um Alles“. Sein Anwalt Dr. Ingo Hofmann (links) glaubt an einen gezielten Rachefeldzug einer ehemaligen Mitarbeiterin.
    Für den suspendierten BRK-Chef Alfred Baur geht es im Busengrapscher Prozess vor dem Amtsgericht Neu-Ulm „um Alles“. Sein Anwalt Dr. Ingo Hofmann (links) glaubt an einen gezielten Rachefeldzug einer ehemaligen Mitarbeiterin. Foto: Foto: rfu

    Im sogenannten Busengrapscher-Prozess gegen den suspendierten BRK-Kreisgeschäftsführer Baur ist es am Mittwoch zu wechselseitigen Beschuldigungen der Beteiligten gekommen. Bewahrheiten sich die Behauptungen, dann weitet sich der Fall zu einem Skandal aus, in dessen Mittelpunkt der Neu-Ulmer Tafelladen und das Rote Kreuz stehen.

    So sollen große Mengen der von Firmen gestifteten Lebensmittel nie dort angekommen sein, wo sie ankommen sollten – bei hungrigen Menschen in Not. Alfred Baur bestreitet sämtliche Vorwürfe und sieht sich als Opfer eines Rachefeldzuges, der unter anderem von der ehemaligen Tafelladenchefin angezettelt worden sei. Die Anschuldigungen stünden in Zusammenhang mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses der Frau beim BRK, sagte Baurs Verteidiger Dr. Ingo Hoffmann zu Beginn des Prozesses, in dem es bei seinem Mandanten „um Alles“ gehe.

    Ex-Tafelladen-Chefin sieht sich als Opfer sexueller Übergriffe

    Die 47 Jahre alte Elvira V. sieht sich ihrerseits als Opfer sexueller Übergriffe durch den BRK-Chef. Der habe sie in mindestens zwei Fällen massiv sexuell angegangen, ihr an Brüste und Po gefasst und versucht haben, sie gegen ihren Willen zu küssen. Ferner soll Baur sie mehrfach als „blöde Kuh“ und „dumme Russin“ beleidigt haben. Zur Last gelegt werden dem 57-Jährigen auch 90 Fälle von Untreue, weil er regelmäßig Lebensmittel aus dem Tafelladen mitgenommen haben soll. Baur dazu: „Die Frau hat das frei erfunden – ich habe sie weder am Busen noch sonst wo berührt“, versicherte er und fragte, warum er sich als Chef von 50 Mitarbeiterinnen „ausgerechnet an dieser Frau vergreifen“ sollte. Außerdem hat Baur ein Alibi für den Tag, an dem es zum ersten Übergriff gekommen sein soll: „Ich war auf einem Golfplatz in Erfurt.“

    Gegensätzliche Aussagen gibt es auch zu der Frage, was mit den für bedürftige Menschen bestimmten Lebensmitteln geschehen ist. Ein Teil davon ist offenbar in dunklen Kanälen versickert, wenn die Behauptungen stimmen.

    Alfred Baur behauptet, die Mitarbeiter des Tafelladens hätten die von Firmen wie Metro, Lidl und Kaufland gestifteten Lebensmittel so lange gebunkert, bis sie nicht mehr zu verkaufen waren und zum Nulltarif unter den Beschäftigten aufgeteilt werden durften.

    Käse fürs Altersheim in Ludwigsfeld abgezweigt

    Baur selbst will öfters kiloweise Käse und eimerweise saure Sahne abgeholt haben, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abgelaufen wäre. Er will diese Waren zum Weiterverarbeiten an das BRK-Seniorenheim Ludwigsfeld geliefert haben, weil sonst die Lebensmittel für teures Geld hätten entsorgt werden müssen. Auch seien öfters Bier und Wein gespendet worden. Das aber darf im Tafelladen nicht verkauft werden. Dies sei in der BRK-Zentrale am Pfaffenweg unter den Mitarbeitern verteilt oder „vernichtet“ worden.

    Ganz anders die Darstellung der Tafelladenchefin. Elvira V. erzählte dem Gericht unter Vorsitz von Thomas Mayer, dass es im Tafelladen eine „Baur-Box“ gegeben habe, in der mehrmals wöchentlich größere Mengen „edle Waren“ gepackt werden mussten, die Baur selbst verzehrt habe oder – wie sie vom Hörensagen erfahren habe – in der Metzgerei seiner aktuellen Lebensgefährtin verkauft habe. Für den BRK-Chef habe es immer nur vom Feinsten sein müssen: Sündhaft teurer Kaviar, feiner Schinken, exquisiter Käse und edle Pralinen habe er kistenweise weggeschleppt, manchmal auch des Nachts und am Sonntag, als niemand im Tafelladen gewesen sei. Unterlagen über den Verbleib der Waren gibt es nicht. Die sind verschwunden.

    Elvira V.: „Klima in der BRK-Zentrale ist vergiftet“

    Unklar blieb zunächst, weshalb Elvira V. die sexuellen Übergriffe, die sich im September 2009 ereignet haben sollen, und die angeblichen Veruntreuungen von Waren erst im Dezember, also drei Monate später, angezeigt hat. Die 47-Jährige rechtfertigte dies mit ihrer Angst vor Baur und dem drohenden Verlust des Jobs. Das Klima in der BRK-Zentrale am Pfaffenweg sei vergiftet. Elvira V.: „Alle haben Angst vor Baur.“

    Der Prozess wird am kommenden Dienstag um 14 Uhr mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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