14 Schaufeln für ein schönes Foto: Schon die stattliche Anzahl der Spaten verdeutlichte, dass mit der Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Senden und Weißenhorn ein für die Region äußerst bedeutendes Bauvorhaben umgesetzt wird.
Wirtschaftminister Zeil beim Startschuss für den Weißenhorner Bahnhof
Auch wenn die Arbeiten bereits im Februar begonnen haben – gestern gaben die Bauherren der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) nun ganz offiziell den Startschuss am Weißenhorner Bahnhof. Dazu reiste der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) in die Fuggerstadt: „Wir holen die Bahnstrecke aus ihrem Dornröschenschlaf“, freute er sich gut gelaunt vor rund 30 Zuhörern und geladenen Gästen.
Zeil wertete das Projekt als „richtiges Zeichen.“ Die Bahn habe in den 1980er und 1990er Jahren mehrere Strecken abgebaut. Und zwischen Weißenhorn und Senden sei sogar seit fast einem halben Jahrhundert kein Personenzug mehr gefahren. „Das können wir heute ändern.“
Nicht jede Bahnlinie kann wiederbelebt werden
Nun sei die Fuggerstadt als Zeichen der Trendwende zu sehen: Aus allen Landesteilen seien die Augen auf Weißenhorn gerichtet, so der Minister. „Lebensadern sollten nicht nur Metropolen verbinden, sondern auch Regionen.“
Trotzdem könne wohl nicht jede Bahnlinie wiederbelebt werden. „Die Mittel sind knapp.“ Außerdem müssten Wiederaufbauprojekte hohe Hürden nehmen. Eine der Anforderungen: Ein Minimum von 1000 Fahrgästen täglich. Im Fall der Linie zwischen Senden und Weißenhorn „liegen wir deutlich darüber“, sagte Zeil.
Bürgermeister Fendt zitiert Armstrong
Künftig sollen nach den Worten des Ministers werktags 1800 Schüler, Pendler und Touristen in den Zügen unterwegs sein. Zeil: „Ich wünsche eine gute Fahrt und den Menschen in der Region viel Freude mit ihrem alten Bähnle.“
Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein gewaltiger für die Menschheit: Bürgermeister Wolfgang Fendt wählte für seine Rede ein historisches Vorbild. Er zitierte den im vergangenen Jahr gestorbenen US-Astronauten Neil Armstrong, der 1969 als Erster den Mond betreten hatte.
In einer Abwandlung von Armstrongs weltberühmtem Ausspruch sagte Fendt: „Es ist zwar nur ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Sprung für die Region.“
Zentrale Zukunftsthemen werden durch die Bahnstrecke verknüpft
Ihm gehe an diesem Tag „das Herz über“, so der Bürgermeister. Energie, Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung: Mit der Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke könnten drei zentrale Themen der Zukunft verknüpft werden. „Wenn wir in einigen Jahren zurückschauen, werden wir glücklich sein, heute dabei gewesen zu sein“, so Fendt.
Landrat Erich Josef Geßner (CSU) wandelte in seiner Ansprache den Schlagertitel „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ von Christian Anders ab – „kein Personenzug“ sei zuletzt „nach nirgendwo“ gefahren. Aber nun gehe die Zeit des Stillstands zu Ende. Geßner würdigte das Vorhaben als erste große Reaktivierung im Freistaat.
Busfahrpläne werden an die Zugstrecke angeglichen
Die Bahnstrecke werde die Lebensqualität für viele Menschen in der Region erhöhen. Mit neuen Busfahrplänen werde man sich auf die Zugstrecke einstellen. Geßner verteilte viel Lob an die Beteiligten: „Ohne die Initiative und das Verantwortungsbewusstsein der SWU wäre das Vorhaben nicht denkbar gewesen.“
Der Landrat stellte einen weiteren Anders-Titel an das Ende seiner Ausführungen: „6 Uhr früh in den Straßen“. Er wünschte sich, dass die Fahrgäste des „Bähnles“ diese Melodie mitpfeifen. Allerdings wieder etwas verfremdet: „6 Uhr früh auf der Schiene.“
Zeitplan kann wohl eingehalten werden
Ingo Wortmann, Geschäftsführer der SWU Verkehr, vollzog die Stationen der Wiederbelebung nach. Vor fünf Jahren habe die Bahn die Gleisstrecke zum Verkauf angeboten. „Dann hieß es, Überlegen Sie sich mal etwas’.“ Er erinnerte daran, wie eine Delegation aus Schwaben in die Landeshauptstadt reiste, um die Pläne im Verkehrsministerium vorzustellen.
In der Bevölkerung musste Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wortmann berichtete von einem Wirt, der bahnkritisch eingestellt war. Man sei abends „bei einem Glas Apfelschorle“ zusammengesessen.
„Und auf einmal schmiedeten wir Pläne, einen Biergarten anzubauen, um die ganzen Ausflügler aus Ulm aufzunehmen.“ Der Start des „Bähnles“ werde wie geplant Ende 2013 erfolgen, so Wortmann: „Ich gehe davon aus, dass wir den Zeitplan halten.“
Pläne für genossenschaftliche Bürgerbeteiligung
Aus Sicht von Ivo Gönner, Ulms Oberbürgermeister (SPD) und Aufsichtsratsvorsitzender der SWU, können sich die Fuggerstädter künftig glücklich schätzen. In 25 Minuten gelangen sie im „Bähnle“ nach Ulm, von dort in 50 Minuten weiter nach Stuttgart.
„Glückliches Weißenhorn – das kann nicht jeder von sich sagen.“ Nach Angaben von Gönner gibt es Pläne, wonach sich Bürger genossenschaftlich am Betrieb der Bahnstrecke zwischen Senden und der Fuggerstadt beteiligen können. „Das wäre ein besonderer Anreiz, eine Verbindung zwischen Region und Bahn zu schaffen.“