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Handelsstreit: Gegenwind für Neu-Ulms Pläne

Handelsstreit

Gegenwind für Neu-Ulms Pläne

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    Das Mutschler-Center steht kurz vor einem umstrittenen Umbau.
    Das Mutschler-Center steht kurz vor einem umstrittenen Umbau. Foto: Alexander Kaya

    Neu-Ulm Dass die Lobby des Ulmer Einzelhandels Bedenken gegen Art und Umfang der Planungen in Sachen Mutschler-Center hat, liegt auf der Hand. Jetzt erneuerte aber die Industrie- und Handelskammer (IHK) auf bayerischer Seite ihre Bedenken. Das dürfte weiteren Druck auf das Neu-Ulmer Rathaus ausüben. Und auch Mitarbeiter der Firma Lührmann, einer der deutschlandweit führenden Spezialisten für die Vermietung und den Verkauf von Ladenlokalen und Einzelhandelsimmobilien in innerstädtischen 1A-Lagen, kritisieren die Neu-Ulmer Politik.

    In einer Stellungnahme an die Stadt Neu-Ulm und die Regierung von Schwaben weist die IHK Schwaben darauf hin, dass die Planung zur Revitalisierung des Mutschler-Centers mit einer Gesamtverkaufsfläche von mehr als 70000 Quadratmeter „erhebliche Auswirkungen“ auf bestehende Versorgungsstrukturen in den benachbarten Mittel- und Oberzentren nach sich ziehen werde. Nach der Analyse dieser Planunterlagen sieht die IHK folgende Herausforderungen, die nun im Rahmen der weiteren Planung erörtert und berücksichtigt werden müssen:

    Die zulässige Gesamtverkaufsfläche des Möbelhauses soll sich am ehemaligen Mutschler-Center orientieren. Die Ausweisung von zusätzlichen 28000 Quadratmeter Verkaufsfläche lehnt die IHK ab.

    Die Planung sieht neben dem Möbel-Kernsortiment weitere 4000 Quadratmeter Randsortimente vor. Auch diese Größenordnung ist aus Sicht der IHK überdimensioniert und wird abgelehnt. Die IHK schlägt stattdessen vor, die Randsortimente auf eine maximal zulässige Verkaufsfläche von 2000 Quadratmeter zu begrenzen.

    Die zu erwartenden, nicht unerheblichen verkehrlichen Auswirkungen einer Revitalisierung des Möbelhauses im Starkfeld sind bisher nicht in angemessenem Umfang in die Planung eingeflossen. Zusätzlich müssen zu erwartende Wechselwirkungen mit der ebenfalls neu geplanten Glacis Galerie im Umfeld des Möbelhauses einbezogen werden, fordert die IHK in ihrer Stellungnahme.

    „Es ist gut, wenn ein erfahrener Investor nach Neu-Ulm kommt, um das ehemalige Mutschler-Areal wieder mit Leben zu erfüllen“, wird Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, in einer Pressemitteilung zitiert. Die Aufgabe der IHK im Rahmen der Beteiligung als Träger öffentlicher Belange sei aber in erster Linie, offene Fragen und mögliche Probleme im Zusammenhang mit der Planung herauszuarbeiten.

    In diesem Zusammenhang appelliert der Präsident an die Kommunen, nicht nur den kurzfristigen Erfolg einer zumeist lukrativen Veräußerung von Gewerbeflächen zu sehen, sondern die langfristige Perspektive einer intakten Struktur im Auge zu behalten.

    Der Trend zur Ansiedlung großflächigen Einzelhandels außerhalb der Stadtzentren bedrohe letztlich die Überlebensfähigkeit der Innenstädte. „Wir brauchen aber attraktive und funktionsfähige Innenstädte“, sagt Kopton, der sich mehr Weitsicht bei Planung und Vergabe von Einzelhandelsgroßprojekten außerhalb der Stadtzentren wünscht.

    Neben diesen Detailfragen ist aus Sicht der IHK ganz grundsätzlich die Frage zu stellen, warum das angekündigte Raumordnungsverfahren für den ebenfalls geplanten Textil- und Sportfachmarkt auf dem Areal des ehemaligen Mutschler-Centers vom Bauleitplanverfahren für das Möbelhaus nebst Randsortimenten komplett abgetrennt wurde. „Wir hätten uns als IHK gewünscht, dass die Regierung zunächst das Raumordnungsverfahren einleitet und dann parallel der Bebauungsplan geändert wird. So ein Komplex muss doch gemeinsam geplant und auch bewertet werden“, fasst Präsident Dr. Andreas Kopton die Bedenken der IHK Schwaben zusammen. Sonst bestehe die Gefahr, dass wichtige Fragen ungelöst bleiben.

    Unterstützung bekommt die IHK von der Firma Lührmann, einer der deutschlandweit führenden Spezialisten für die Vermietung und den Verkauf von Ladenlokalen und Einzelhandelsimmobilien in innerstädtischen 1A-Lagen. „Im Interesse der gesamten Region täte Neu-Ulm gut daran, einen Center-Wildwuchs durch gezielte Maßnahmen genauso zu unterbinden, wie den Versuch zu überdenken, mit dem Holzhammer Einzelhandelslagen zu zimmern“, sagt Sabine Schulz, Prokuristin bei Lührmann. Das Entscheidungsverhalten jenseits der Donau in Ulm hingegen sei löblich.

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