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Fest: Genuss im Schneckentempo

Fest

Genuss im Schneckentempo

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    Aus den Schneckenhäusern macht die Züchterin Dekoration.
    Aus den Schneckenhäusern macht die Züchterin Dekoration.

    Oberfahlheim Dreck und Kriechtiere in den Hosentaschen der Kinder sind meist nichts, worüber Eltern sich freuen. Monika Samland schon. Sie verdient damit sogar Geld. Ihre damals dreijährige Tochter Larissa brachte Weinbergschnecken vom Kindergarten mit nach Hause. Zehn Jahre und eine Geschäftsidee später sind aus einer über 100000 Schnecken geworden. Denn die Oberfahlheimer Familie züchtet die Delikatesse und feiert am Sonntag, 16. Juni, zehn Jahre „Schwäbische Auster“.

    Dass das Kriechtier einen besonderen Status in der Familie Samland hat, ist kaum zu übersehen. Nahezu die gesamte Dekoration im Wohnzimmer besteht aus Schneckenhäusern: Übertöpfe für Blumen, Bilder an der Wand oder Lampenschirme. „Ich wollte Dekoration, die nicht jeder hat“, sagt Samland, die eine Kette mit einem Schnecken-Anhänger um den Hals trägt. „Schneckenhäuser habe ich genügend da.“

    Jährlich sammeln sie 60000 Schnecken ein

    Seit April ist Hochsaison bei der Schneckenzucht. Jährlich sammeln Monika Samland und ihre Familie bis zu 60000 Weinbergschnecken von ihren Feldern ein. Eine Ausbildung für Schneckenzüchter gibt es in Deutschland nicht. Samland besuchte dafür eine Schule in Italien. Anschließend habe es etwa drei Jahre gedauert, die Genehmigungen für ihre Schneckenzucht zu bekommen. „Das war schwierig“, sagt sie. „Viele konnten mit meiner Idee nichts anfangen. Gerade Land zu bekommen, war nicht sehr einfach.“ Die Skeptiker und Grundstücksnachbarn befürchteten, dass die Schnecken ihren Pflanzen etwas anhaben könnten. Das stimme aber nicht: Zu ihren Aufgaben gehört es deshalb, regelmäßig das Gelände abzulaufen, um „die wenigen Ausreißer einzufangen“. Der Begriff Slow Food bekommt durch die Weinbergschnecke eine neue Bedeutung: Denn vor allem Geduld brauche man mit den Kriechtieren. „Es läuft alles sehr langwierig ab. Eine Weinbergschnecke braucht drei Jahre zum Wachsen. Dann ist sie geschlechtsreif und kann geschlachtet werden.“ Schlachten bedeutet in diesem Fall, sie in kochendes Wasser zu legen, anschließend das Schneckenhaus auszulösen und den ungenießbaren Teil abzutrennen. Gegessen wird nur der „Fuß“ – Also der reine Muskel der Weinbergschnecke.

    Ein Paradies für Schnecken auf 2000 Quadratmetern

    Auf ihrer Anlage etwas außerhalb von Oberfahlheim hat Samland Großraumparzellen mit jeweils 2000 Quadratmetern angelegt. Das, was dort wie eine wild wachsende Grasfläche aussieht, ist ein Paradies für die Kriechtiere. „Das lieben meine Schnecken. Sie finden dort Kräuter, weiter hinter Feldsalat“. Der Geschmack der Weinbergschnecke lasse sich dadurch aber nur ganz wenig beeinflussen. „Isst eine Schnecke nur Brennnessel, kann man das zwar riechen, aber nicht wirklich schmecken“, sagt Samland. Die Qualität unterscheide sich zwischen den verschiedenen Schneckenarten: „Es gibt Züchter, die nur die Aspersa (gefleckte Weinbergschnecke) verkaufen. Die ist in Deutschland nicht gängig, wird aber dennoch angeboten. Sie ist bei Weitem nicht so gut und zart wie die richtige Weinbergschnecke.“ Mitte Juli ist die „Erntezeit“ vorbei. „Danach kann ich sie nicht mehr vom Feld holen“, sagt Samland. „Sie setzen Kalk an, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Isst man dann eine Schnecke, hat man das Gefühl, man beißt auf Sand.“

    Monika Samland verkauft ihre Weinbergschnecken an Gastronomen, stellt sie bei Slow-Food-Märkten vor oder bietet Gerichte mit den Kriechtieren bei Märkten in der Umgebung an. Dann macht sie Schneckentaler, Schneckenburger oder die klassische Weinbergschnecke in Kräuterbutter geschwenkt. „Manchmal – gerade nach einigen Tagen Messe – kann ich keine Schnecke mehr sehen“, sagt Samland. „Dann freue ich mich richtig auf Fast Food.“

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