Neu-Ulm Im Verfahren gegen den beurlaubten Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes in Neu-Ulm hat der Anwalt von Alfred Baur weitere Zeugen genannt und dem Gericht weitere Beweisangebote unterbreitet, die belegen sollen, dass die gegen den BRK-Chef erhobenen Vorwürfe haltlos sind. Seit mehr als einem Jahr ermittelt die Kriminalpolizei Neu-Ulm im Auftrag der Staatsanwaltschaft gegen Alfred Baur, nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin des Tafelladens an der Maximilianstraße schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben hat. Unter anderem soll sich Baur der sexuellen Nötigung schuldig gemacht haben. In den angeklagten Fällen soll der BRK-Chef die damalige Leiterin des Tafelladens unsittlich angefasst haben. In einem Fall habe er – so die Vorwürfe der ehemaligen Beschäftigten – ihren Busen begrapscht, ihr im zweiten Fall ans Gesäß gefasst. Die Berührungen hätten in beiden Fällen über der Kleidung stattgefunden, was juristisch von großer Bedeutung sei.
Fehlende Augenzeugen erschweren Beweisführung
Dafür gebe es jedoch keine direkten Augenzeugen, was die gerichtliche Aufarbeitung erschwere. Ferner wird Baur von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, er habe in 90 Fällen Waren aus dem Tafelladen unterschlagen, die eigentlich für den Verkauf an Bedürftige bestimmt waren. Der Wert der Waren lasse sich im Nachhinein nicht mehr exakt taxieren, weshalb die Staatsanwaltschaft von einem Mindestwert von einem Euro ausgeht, der angerichtete Schaden folglich also 90 Euro beträgt.
Der BRK-Chef hat die Vorwürfe mehrfach als „aus der Luft gegriffen und absolut haltlos“ bezeichnet. Im Januar dieses Jahres überschlugen sich jedoch die Ereignisse: Nach gut einjährigen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft gegen Alfred Baur Anklage zum Schöffengericht, weil sie die zusammengetragenen Beweise als ausreichend ansah. In der Folge wurde Baur nach einer Sitzung des Rot-Kreuz–Vorstandes unter Führung des BRK-Kreisvorsitzenden und Neu-Ulmer Oberbürgermeisters Gerold Noerenberg Ende Januar dieses Jahres bei vollen Bezügen beurlaubt, weil sich die Führungsspitze Sorgen um das Ansehen der Hilfsorganisation machte.
Verteidiger glaubt nach wie vor an Baurs Unschuld
Baurs Verteidiger Dr. Ingo Hoffmann ist jedoch nach wie vor von der Unschuld seines Mandanten überzeugt und hat seine Argumentationskette gegenüber dem Gericht erneuert. Weitere Zeugen sollen nun belegen, dass Alfred Baur die Wahrheit sagt, wenn er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als frei erfunden bezeichnet. Wenn die Beamten der Neu-Ulmer Kripo ihre neuerlichen Ermittlungen abgeschlossen haben, wird die ohnehin schon dicke Akte des Falles noch umfangreicher.
Durch die neuen Beweisanträge verzögert sich auch das Verfahren weiter. Nach Einschätzung des stellvertretenden Amtsgerichtsdirektors Jürgen Hasler kann der Prozess gegen den BRK-Chef frühestens in drei Monaten beginnen. Bis dahin muss Baurs Stellvertreter die Geschäfte im BRK-Kreisverband führen. Ob Baur jemals wieder an seinen Arbeitsplatz im Pfaffenweg zurückkehren darf, hängt entscheidend davon ab, was von den Vorwürfen hängen bleibt und zu welchem Urteil das Amtsgericht kommt. (rost)