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15. September 2010 19:30 Uhr

Im Banne der Wandergitarre

Vöhringen Ray Wilson hat Glück gehabt. Er durfte für kurze Zeit bei einer der großen Bands der Popgeschichte singen. Dass sein Gastspiel bei Genesis nicht zu den ruhmreichen Kapiteln der Kunstrocker zählt, dafür kann er nichts. Nach dem Abschied von Phil Collins war die Zeit der Band einfach abgelaufen. Auch der schottische Jungspund Ray Wilson als Neuer konnte 1996/97 der kalten Asche keinen neuen Funken mehr einhauchen. Und so blieb es bei einem Album namens "Calling All Stations", das keinen interessierte.

Doch immerhin kann sich Wilson seither das publikumswirksame Etikett "Ex-Sänger von Genesis" anheften. Und das zieht immer noch. Das Wolfgang-Eychmüller-Haus in Vöhringen war ordentlich gefüllt, als er mit seiner zweiköpfigen Band dort auftrat.

Die Show war als "Genesis unplugged" ausgeflaggt, doch so ganz stimmte das nicht. Wilson hatte im Programm unter die bekannten Hits einiges an eigenem Material untergemischt und auch die Solo-Aktivitäten der einstigen Genesis-Musiker gebührend berücksichtigt. Richtig krumm nehmen will man ihm das nicht, denn seine Stücke fallen nicht unbedingt ab gegenüber den Klassikern, die (fast) jeder kennt. Das liegt natürlich auch am Konzept: Wenn nur zwei Akustik-Gitarren und ein Keyboard spielen, sind die Unterschiede im Klang nicht groß.

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Ray Wilson ist ein freundlicher Mann von jugendlichem Charme. Er versteht es, mit kleinen Anekdötchen als leicht kumpeliger Rockstar von nebenan rüber zu kommen. Die Stimme klingt warm, leicht angeraut und legt sich angenehm über die Harmonien. Ihm fehlen allerdings die stählerne Schärfe eines Phil Collins und die dunkle Abgründigkeit eines Peter Gabriel.

Der erste Teil der Show fließt recht unaufgeregt dahin, ist er doch mit wenigen echten Hits wie "Carpet Crawlers" und "Another Day In Paradise" bestückt. Was er drauf hat, lässt Wilson kurz vor der Pause in "Biko" von Peter Gabriels drittem Solo-Album anklingen. Das Lied über den gewaltsamen Tod des südafrikanischen Bürgerrechtlers Stephen Biko in einer Polizeizelle kommt bei Wilson ganz ohne die dunklen Trommeln und die großen Chöre des Originals aus - und berührt trotzdem.

Nach der Pause feuert er Hit um Hit ab, doch das funktioniert nicht immer reibungslos im akustischen Lagerfeuer-Sound. Ganz ohne das Schlagzeug als Klammer gerät "Land of Confusion" zu einer rhythmisch recht konfusen Angelegenheit. Bei Stücken wie dem schönen alten "Ripples" von "A Trick Of The Tail" mit seinem dicht gestrickten Akkordteppich oder Gabriels "Solsbury Hill", das auch im Original von einer Akustischen getragen wird, passt das Wandergitarren-Konzept ganz hervorragend.

Nicht alles an diesem Abend hätte wirklich sein müssen ("One" von U2, Bob Dylans "Knocking On Heaven's Door"), aber Ray Wilson entlässt einen mit einem angenehmen Gefühl in die Nacht.

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