Seit 1907 steht die Kapelle wenige Hundert Schritt östlich des Sträßchens von Hausen nach Jedelhausen am Waldrand. Sie ist aus Backstein gemauert, weiß ausgefugt und gekalkt, sodass sich die Wände gegen die roten Ziegel des steilen Satteldachs auffällig abheben. Der Schub des Gewölbes wird auf fünf äußere Strebepfeiler abgeleitet. Den First überragt ein Wetterhahn auf schlankem Dachreiter, der auf dem Schutzdach über dem nördlich angebauten Treppenaufgang sitzt. Der nach Westen gerichtete Chor schließt mit drei Seiten eines Achtecks ab.
Nicht für Bestattungen genutzt
Das Kirchlein besteht aus zwei übereinanderliegenden gleich großen Räumen. Im Untergeschoss liegt die eigentliche Gruft, die - anders als wohl geplant - nie für Beisetzungen genutzt wurde. Sie dient als Abstell- und Lagerraum. Über ihr ist der kleine Kirchensaal eingebaut. Steinerne Rippen tragen das Gewölbe von Chor und Schiff. Die unteren Enden sind mit Wappensteinen verziert. Ein Gemälde mit Maria, das Kind im Arm, von den 14 Nothelfern umringt, hängt an der südlichen Chorwand. Ein paar Totentafeln und Grabschleifen ergänzen den sparsamen Innenschmuck.
Traditionsreiche Familie
Carl Freiherr von Linden, Königlich-Württembergischer Kammerherr und Regierungspräsident des Neckar-Kreises mit Sitz in Ludwigsburg, hatte 1855 das Schloss in Hausen gekauft - vermutlich um eine Familientradition zu begründen. Seine Mutter war eine Urenkelin des Ulmer Bürgermeisters Christoph Heinrich Besserer von Thalfingen, der das Hausener Schloss 1768 gebaut hatte. Carls 1854 in Ludwigsburg geborener Sohn Hugo Freiherr von Linden, ebenfalls Kammerherr, Staatsrat und Ministerialdirektor, ließ sich in Hausen nieder. Dort baute er für sich und seine Nachkommen die Gruftkapelle. Als Baumeister berief er den Architekten Edmund Capitain, der das in Sichtweite gelegene Schloss in Jedelhausen bewohnte.
Zur Kapelle gehört ein kleiner eingezäunter Friedhof als Begräbnisstätte der Familienmitglieder von Linden. Er wird absichtlich wenig gepflegt, weil er als Waldfriedhof angelegt ist und der natürlichen Umgebung eingeordnet bleiben soll. Treppenstufen führen den Hang hinauf. Ein Pfad läuft um die Kirche herum. Ein paar hölzerne und steinerne Bänke bieten Platz für eine Rast. Der Blick geht ins Haldebachtal und drüber hinweg zum Großen Heining bei Gerlenhofen. Die Anlage steht unter Denkmalschutz. "Die katholische Friedhofskapelle im kleinen Privatfriedhof der Freiherrn von Linden greift neugotische Bauformen auf und fügt sich gut in die umgebende Landschaft, einen markanten Akzent setzend", stellt das Landesdenkmalamt fest. (grr)
Info: Der Weg zur Kapelle zweigt nah dem Hausener Schloß von der Straße nach Jedelhausen ab. Besucher des Friedhofs und der Kapelle haben Betretungsrecht, um die unterhalb des Hangs liegende Wiese zu überqueren.