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24. August 2010 05:15 Uhr

Innenansichten im Breitwandformat

Neu-Ulm Mit dem Besonderen steht man als Band schnell alleine da. Umso mehr, wenn man aus einer Kleinstadt wie Blaubeuren kommt. Doch die Gruppe Maestro's Memorial hat sich in der Ulmer Szene längst einen guten Ruf erarbeitet - und spielte auch schon Auftritte in Amsterdam und beim renommierten Frequency-Festival in Österreich. Am Freitag, 27. August, um 20 Uhr ist ihr epischer Pop, der in der Region seinesgleichen sucht, im Neu-Ulmer Glacis zu hören. Von Marcus Golling

Die Bezeichnung Pop greift aber im Falle der jungen Band ein wenig zu kurz. Denn ähnlich wie ihre wichtigsten Vorbilder Radiohead und Sigur Rós verbindet die Band in ihrem detaillierten Breitwand-Sound die unterschiedlichsten Genres: Synthesizer-Flächen öffnen Räume, Gitarrenwände mahnen an das Erbe des Psychedelic- und frühen Indie-Rock, elektronische Elemente schaffen den Link zum Jetzt. Obwohl die Keimzelle der Band ein jazzinspiriertes Projekt der beiden Gitarristen war, ist davon höchstens noch eine Idee zu spüren.

Vor allem aber will diese Musik eines: Emotion, gerne auch Pathos. In den weitschweifigen, oft langen Songs ist genug Platz für alles. Das ist auch auf ihrem Debüt-Album "Weight Of Our Worlds" nachzuhören, das vor Kurzem erschienen ist. Die Arbeit daran hatte die Band bereits vor rund zwei Jahren aufgenommen - kurz nach ihrer Gründung. Der Sound steht bei Maestro's Memorial über allem, für eitle Virtuosität ist da kein Platz. Da musste sich auch Gitarrist Johannes Zantow umgewöhnen, der zuvor in einer Funkband öfter mal ein Solo dazwischengniedeln durfte. "Das passt einfach nicht", sagt er. Die Songs entstehen bei den jungen Musikern - alle sind im Studentenalter - aus gemeinsamen Jamsituationen, jeder bringt seine Ideen ein, wechselt die Instrumente dabei ganz nach Gusto. Live seien dann so oft auf der Bühne die Instrumente getauscht worden, dass ein Freund sogar von der "Reise nach Jerusalem" gesprochen habe, erzählt Bassist Andy Miehle.

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Inzwischen bemühe man sich um mehr Organisation, auch weil die Band mit viel Technik auf der Bühne präsent ist. Nicht ohne Grund nennen Maestro's Memorial auch die Bands der "Shoegaze"-Bewegung als Einfluss, die ihren Namen (der übersetzt "Schuhstarren" bedeutet) daher haben, dass sie nie ins Publikum blickten, weil die Gitarristen zu sehr mit den zahlreichen Effektpedalen auf dem Boden beschäftigt waren.

Der Gitarrist brachte seine Ideen via Internet ein

Im Vergleich dazu wirken die fünf Schwaben allerdings live sehr dynamisch. Derzeit allerdings sind sie nur zu viert zu haben. Gitarrist Andreas Fiebelkorn weilt derzeit in Amsterdam, wo er ein Freiwilligen Soziales Jahr absolviert. In den vergangenen Wochen haben die Zurückgelassenen viel Zeit damit verbracht, die eigenen Stücke für die anstehenden Konzerte an die kleinere Besetzung anzupassen. Außen vor war Fiebelkorn dennoch nicht: Über Internet brachte der Gitarrist auch aus dem Exil seine Ideen mit ein, komponierte schon mal eine Songskizze am Computer und schickte sie seinen Kollegen. So funktioniert eine Band im Jahr 2010.

Weiteres Konzert am Samstag, 4. September, beim Festival "Sommer ohne Ende" im Club Action. Die CD "Weight Of Our Words" ist bei Soundcircus in der Ulmer Frauenstraße erhältlich, digital gibt es das Album bei iTunes und Amazon.

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