Beim 7. Mittelstandsforum an der Hochschule Neu-Ulm diskutierten Wirtschaftstreibende über Nachhaltigkeit Von Oliver Helmstädter

Neu-Ulm Was haben ein Stromproduzent, ein Bauunternehmer, ein Hersteller von Trockenfrüchten und ein Buch- und Haushaltswarenhändler gemeinsam? Antwort: die Überzeugung, dass sie nachhaltig wirtschaften und dies mittel- bis langfristig auch bedeutsam für ihren unternehmerischen Erfolg ist.
Der Neu-Ulmer Professor Dr. Bernard H. Wagemann lud vier bekannte Unternehmer aus der Region ein, um beim 7. Mittelstandsforum der Hochschule Neu-Ulm zum Thema „Green Business – Wachstumsmotor für den Mittelstand?“ zu diskutieren. Und was Matthias Berz (Geschäftsführer Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm), Heinz Neudeck-Mützel (Geschäftsführer Casa Nova Planungs- und Wohnungsbau Ulm), Ralph Beraneck (Geschäftsführer Seeberger) sowie Hermann Hutter (Geschäftsführer bei Carl Abt in Ulm und einer Buchhandlung in Günzburg) in zwei Stunden zu sagen hatten, machte klar, dass der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur als hübsches Etikett fungieren muss, sondern auch Teil der unternehmerischen Strategie sein kann.
Mit Nachhaltigkeit, was Wagemann eingangs als Berücksichtigung der großen drei P-Faktoren People, Planet und Profit (Menschen, Schutz des Planeten und Profit) definierte, schmücken sich alle vier eingeladenen Unternehmer.
Beispiel Seeberger: Geschäftsführer Beraneck stellte die These auf, dass sein Unternehmen keine 167 Jahre überlebt hätte, wenn Nachhaltigkeit nicht längst fester Bestandteil allen Handelns wäre. Und dies nicht nur aus purer Menschenliebe, sondern weil anders der „verrückte“ Qualitätsanspruch der Produkte gar nicht zu erreichen wäre. „Wir gehen in unserer Produktkette bis zum Baum.“ Nur so, wenn der Bauer gut bezahlt werde, liefere er auch die geforderte überdurchschnittliche Qualität. „Sie bekommen nur Top-Qualität, wenn Sie Top-Preise bezahlen.“
Von Siegeln wie etwa „Fair Trade“, dem Signet für fairen Handel, hält Beraneck wenig. „Wir sind kein Freund davon.“ 6000 verschiedene derartige Zertifizierungen gebe es davon. Der Seeberger Geschäftsführer ganz selbstbewusst: „Wir arbeiten nachhaltiger, als es ein solches Siegel dokumentieren kann.“ Familiengeführte Unternehmen hätten nicht den Druck, riesige Profite zu erzielen wie etwa börsennotierte Konzerne. Dies führe zu nachhaltiger Entwicklung statt Wachstumswahn. Bei Seeberger sei es kein Problem, wenn Investitionen erst nach zehn Jahren Profit abwerfen. „Da ist ganz anderes Wirtschaften möglich.“
Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie
Dass es allerdings auch einen steten Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie gebe, wollte niemand abstreiten. „Letztlich entscheidet der Kunde“, sagte Abt-Chef Hermann Hutter. Er als Händler könne nur versuchen, Empfehlungen an Kunden weiterzugeben, und beispielsweise Käufer über Produktionsbedingungen der feilgebotenen Waren zu informieren. Eine konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit seit 2007 habe sich für die Stadtwerke als sehr erfolgreich herausgestellt, sagte SWU-Geschäftsführer Berz. Doch nicht jeder Stromkunde könne damit angesprochen werden. Letztlich bekomme der Kunde, was er wolle. Und ökologisches Bewusstsein schreibe sich jeder Mensch zwar gerne auf die Fahnen, doch Solaranlagen etwa würden sich viele Hausbesitzer in Wahrheit doch nur wegen der Vergütung aufs Dach schrauben.
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