Ulm Schauplatz Stadtarchiv und Ulmer Münster: Gestern war ein vielköpfiges Team des Fernsehsenders Arte den ganzen Tag mit Dreharbeiten für den Film „Die Baumeister der Kathedrale“ unterwegs. Gestemmt wird dieses Fernsehprojekt in aufwendiger 3D-Technik, die es in Deutschland noch relativ selten zu sehen gibt. Der Film erfasst mit Hauptschauplatz Straßburger Münster im kulturhistorischen Netzwerk von 700 Jahren auch das höchste Kirchenbauwerk der Welt in Ulm an der Donau.
Die unter der Regie des Franzosen Marc Jampolsky entstehende Produktion wird als reizvoll eingestufte Kombination zwischen Dokumentar- und Spielfilm Ende des Jahres vom Kultursender ausgestrahlt. Wie Straßburg markiert auch das Ulmer Münster einen Höhepunkt der Gotik.
„Ein Wunder, dass wir das noch erhalten haben“. Im historischen Gewölbesaal des Hauses für Stadtgeschichte stehen Stadtarchivleiter Michael Wettengel und Münsterbaumeisterin Ingrid Rommel im Scheinwerferlicht, erläutern Ensingens gotischen Münsterturmplan. Sie stehen dem interviewenden Filmproduzenten Cédric Bonin sachkundig Rede und Antwort. „Gibt es vom Münsterbaumeister weitere Spuren?“ Klar doch. 1399 wurde er vom Ulmer Magistrat aus Straßburg abgeworben. Doch dieser mit Ornamenten von Fialen und Kreuzblumen ganz spezielle, dreidimensional gezeichnete Pergament-Plan wird der neuesten Forschung zufolge nicht Ulrich von Ensingen (um 1340 bis 1519), sondern seinem Sohn Matthäus zugesprochen, wie Münsterbaumeisterin Rommel erläutert.
Der Turm des erst nach Ensingers Tod vollendeten Straßburger Münsters gilt als das Meisterwerk Ulrich von Ensingens, der zu den genialsten Turmkonstrukteuren der Gotik gehört. Von 1392 bis 1417 baute er am Münster in Ulm, wo er das Langhaus bis in halbe Höhe weiterführte und die Planänderung von der ursprünglich vorgesehenen Hallenkirche zur Basilika durchsetzte. Der vor den Filmkameras ausgebreitete Entwurfs-Riss von gut 70 auf über 300 Zentimeter ist, wie Wettengel vor laufender Kamera betont, eine der bedeutendsten erhaltenen gotischen Architekturzeichnungen.
Von Mailand über Straßburg nach Ulm
In Ulm konnte Ensinger lediglich die Untergeschosse des Turmes errichten. Matthäus Böblinger baute nach eigenen Rissen weiter, doch der Westturm blieb im Mittelalter unvollendet (Chortürme und Westturm sind Werke des 19. Jahrhunderts). Von 1394 bis 1395 baute Ensinger am Mailänder Dom. 1399 berief man ihn nach Straßburg, wo er bis zu seinem Tod den Nordturm auf der Plattform des Straßburger Münsters zum Ansatz des Helmes erbaute. Er war auch ab 1400 der Baumeister, der den Turm der Esslinger Frauenkirche entwarf und den Bau begann. 1414 lieferte er den Entwurf für den Georgsturm des Basler Münsters. Keines seiner Werke wurde zu seinen Lebzeiten vollendet, vieles in veränderter Form weitergeführt. Als erster Münsterbaumeister gilt der aus Schwäbisch Gmünd stammende Heinrich Parler (um 1300–1387).
Im Südturm des Ulmer Münsters sind „wunderschöne“ Steinzeichen von Ensinger direkt erlebbar. Nach dem Dreh im Stadtarchiv wanderte das Filmteam gestern Mittag zu den weitere Drehorten Münsterplatz und Münsterturm. Der hervorragend deutsch sprechende Filmproduzent Bodin antwortete auf die Frage, wie er sich in der Doppelkonzeption Elsass und Schwaben in Ulm an der Donau fühlt: „Ziemlich gut.“
Infos auch im Internet
www.ulm.ihk24.de