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01. September 2010 20:10 Uhr

Lautsprecher am Minarett ist wieder weg

Straß Das ging aber ratz fatz: Noch am selben Tag, an dem über die Anwohnerklagen über die am Minarett der Straßer Moschee montierten Lautsprecher in der Neu-Ulmer Zeitung zu lesen war, haben sich die Verantwortlichen des türkisch-islamischen Kulturvereins Nersingen zum Abbau der Beschallungsanlage entschlossen. Aus gutem Grund: Im Genehmigungsbescheid zum Bau der Moschee sind solche Erschallungsanlagen ausdrücklich verboten. Von roland Ströbele

Altun Hüseyn, der Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins konnte sich gestern noch immer nicht erklären, wer die Lautsprecher montiert hat und warum. Der hörbar ungehaltene Vereinsvorsitzende wiederholte seine Aussage vom Montag: "Ich weiß nicht, was passiert ist."

Er habe mehrere Monate Urlaub in der Türkei gemacht und in dieser Zeit seien die Lautsprecher wohl angebracht worden. Den Abbau habe er unverzüglich veranlasst, weil eine Beschallungsanlage ja schließlich verboten sei.

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Eine andere Version über die Montage der Lautsprecher lieferte Ali Türkmen, ein Koranlehrer, der zurzeit in der Moschee muslimischen Kindern Glaubensunterricht erteilt. Weil er kein Sterbenswörtchen Deutsch spricht, ließ er die Koranschülerin Ceyda seine Worte übersetzen. Demnach seien die Lautsprecher nur versuchsweise angebracht worden, um sie zu testen für die Kermes. Dabei handelt es sich um ein Fest, zu dem der türkisch-islamische Verein auch die deutsche Bevölkerung einlädt. Nach Türkmens Worten sei geplant gewesen, über diese Lautsprecher Gebete und Musik zu übertragen. Unerklärlich ist allerdings, warum die Lautsprecher fest ins Mauerwerk des Minaretts gedübelt wurden, nur um sie zu testen. "Da hätte doch eine provisorische Aufstellung genügt", wundern sich die Anlieger, die jedoch inzwischen froh sind, dass die Beschallungsanlage schon am Dienstagvormittag wieder abgebaut worden ist. "Gott sei Dank haben wir unsere Ruhe", sagte eine Frau, die ebenfalls massive Lärmbelästigung befürchtet hatte.

Die Anwohner hatten - wie berichtet - um ihre Ruhe gefürchtet für den Fall, dass die Lautsprecher wie zum Beispiel in Kairo dazu gedient hätten, dass der Muezzin die Muslime mehrfach am Tag zum Gebet ruft.

Mit dem Abbau der Anlage hat sich dann wohl auch ein Schreiben erledigt, das die Nersinger Bauverwaltung umgehend dem türkisch-islamischen Verein schicken wollte. Darin wären die Verantwortlichen aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben, weshalb sie abweichend vom Genehmigungsbescheid eine solche Anlage installiert haben.

Die Nachbarn haben, wie aus der Siedlung zu hören war, so gut wie keine Probleme mit der Moschee. Viele von ihnen sind regelmäßige Besucher bei der Kermes und lassen sich dort mit türkischen Köstlichen verwöhnen.

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