Pfaffenhofen Die Positionen zum Uferweg an der Roth sind klar verteilt: Die einen, vorwiegend Anwohner des Rothufers, sind dagegen. Andere, vorwiegend Markträte der CSU und SPD, halten den Weg für eine gute Idee. Wie aber denkt die schweigende Mehrheit der Pfaffenhofener über das Projekt? Dies sollte ein Arbeitstreffen, ein Workshop, in der Aula der Hermann-Köhl-Schule herausfinden. Gemeinsam sollten die Bürger unter Moderation von Stadtplanern zu Wort kommen und gemeinsam Lösungsansätze erarbeiten. Rund 75 Pfaffenhofener nahmen dieses Angebot wahr. Eine Abstimmung am Ende ergab eine Mehrheit von 33 zu 19 Stimmen für den Bau.
Wir wollen „gemeinsam zusammentragen, was Sie zum Thema Uferweg bewegt“, eröffnete Bürgermeister Josef Walz. Stadtplaner Professor Martin Schirmer erläuterte, wie die Idee zum Spazierweg entstanden war. Allein in Bayern gebe es drei Gemeinden mit Namen Pfaffenhofen, die ihre Identität durch Flüsse erhielten. Auch sei früher die Roth im Ortsbild viel präsenter gewesen. Der Fluss solle daher wieder „in Szene“ gesetzt werden. „Der Ort hat Zauber, aber man kommt nicht dran“, sagte Schirmer und gab die Parole aus: „Es ist unsere Aufgabe, diesen Schatz zu heben.“ Nach Einschätzung des Stadtplaners könne so die Attraktivität des Orts gesteigert werden. Er schlug einen Uferweg für Fußgänger und Radfahrer vor. Der Planer präsentierte eine Überschlagsrechnung (siehe Kasten): Demnach müsste der Markt mit Kosten von zwischen 160000 und 240000 Euro rechnen.
Zwischenrufer fordern eine Diskussion
An drei Tischen sollten sich die Anwesenden danach zum Projekt einbringen. „Was finde ich gut?“, „Was habe ich für Bedenken?“, „Was habe ich an Ideen?“ waren die Arbeitsgruppen überschrieben. In wechselnden Gruppen sollten Beiträge gesammelt werden. Das System stieß nicht bei allen auf Gegenliebe: Vor allem die Gegner des Uferwegs, die ihre Meinung schon während des Vortrags nur schwer zurückhalten konnten und häufig dazwischenriefen, hätten wohl lieber Gelegenheit zur Diskussion gehabt. „Das hat ja keinen Wert“, schimpfte einer und verließ die Runde. „An den ,Gefällt-mir-Tisch‘ gehe ich sowieso nicht“, sagte ein anderer. „Ich habe Angst, dass sich die Anwohner so lange wehren, bis das Projekt scheitert“, äußerte eine Besucherin am „Bedenken-Tisch“ ihre Befürchtung. „Als Anwohner würde ich mich vielleicht auch wehren, aber für alle anderen wäre der Uferweg schön“, entgegnete eine Frau. Die meisten Bürger nutzten die Runden, um ihre Ansichten zu Papier zu bringen.
Die gesammelten Punkte wurden im Anschluss vorgestellt. Die geäußerten Bedenken betrafen vor allem die Kosten des Projekts, Eingriffe in die Natur und die spätere Pflege des Wegs. Eine Summe von 500000 Euro sei eingeplant, sagte Bürgermeister Walz. Ob dieser Betrag genutzt werde, hänge davon ab, wie geplant werde. Die Grundstückseigentümer hätten Einverständnis signalisiert, ihr Land für den Weg zu verkaufen. Auch für die spätere Pflege des Wegs sah der Rathauschef keine Probleme: „Meine Bauhofmitarbeiter sind ständig unterwegs.“ Ob schützenswerte Tiere, wie der Eisvogel, durch den Uferweg gestört würden, müsse die Naturschutzbehörde beurteilen. Das Argument einiger Rothanwohner, sie müssten mit ungeheuren Kosten rechnen, um ihre Grundstücke „von oben bis unten einzuzäunen“, war für Walz nicht nachvollziehbar.
Bürgermeister: „Wer einen Zaun will, soll einen aufstellen“
„Ich habe mein Grundstück auch nicht eingezäunt“, kommentierte er, „aber wenn das der Einzelne unbedingt will, soll er’s machen.“
Eine Bürgerin kritisierte den Bau des Uferwegs mit staatlichen Zuschüssen: „Mitnahmegesellschaft“, schimpfte sie. „Ich sehe die Steuergelder lieber in Pfaffenhofen angelegt als im Rettungsschirm für Griechenland“, antwortete Walz.
Im Verlauf des Workshops wurde klar, dass mehrere Teilnehmer auf Fördergelder setzen. Der gesamte Ort werde durch einen Uferweg aufgewertet und die Natur für alle zugänglich gemacht, waren weitere Argumente für den Bau. Die Möglichkeit, die Ortsteile durch Flussübergänge zu verbinden, wurde ebenfalls positiv bewertet.
Die Bürger hatten auch viele Ideen gesammelt. Dazu gehörten Vorschläge, wie der Weg ins Gemeindeleben einbezogen werden könnte. Hochwasserschutz und Uferbefestigung wurden hier angesprochen. Eine Forderung: Die Kosten müssten für die Öffentlichkeit transparent gemacht werden, hieß es und es wurde vorgeschlagen, einen Bürgerverein zur Umsetzung des Weges zu gründen.
Für viele Teilnehmer schien der Workshop eine gute Idee gewesen zu sein, um die Bedenken und Chancen des Uferwegs besser bewerten zu können. Andere sahen nach wie vor nur negative Seiten am Projekt, was an wiederholten Zwischenrufen deutlich wurde. Als Stadtplaner Schirmer abschließend dazu aufforderte, „die Chance zu nutzen, um Pfaffenhofen für die Zukunft fit zu machen“, überwog ein positiver Eindruck, der in anhaltendem Beifall zum Ausdruck kam.
Für den Uferweg fiel auch die „Momentaufnahme“ des Workshops aus: Jeder Teilnehmer erhielt einen roten Punkt und konnte diesen auf das „Gefällt mir“ oder das „Bedenken“ Plakat kleben. 19 Punkte landeten dabei auf der „Dagegen“-Seite, 33 entschieden sich für die Pro-Seite. Die anderen wollten offenbar nicht kleben.