Neu-Ulm Der Boden ist noch leicht durchnässt vom Regen. Doch Ausreden lassen die zwölf Männer nicht gelten, die – egal bei welchem Wetter – das Zelt des Circus Crocofant aufbauen. Jeder von ihnen weiß genau, was er zu tun hat. Denn jeder Handgriff ist schon unzählige Male zuvor gemacht worden und in Fleisch und Blut übergegangen.
Ein braun gebrannter Mann mit weißem Haar und strahlend blauen Augen lässt die Zirkuswagen in einer bestimmten Reihenfolge um einen abgesteckten Bereich in der Mitte des Schotterplatzes am Neu-Ulmer Bahnhof aufstellen. Francois Meise, der Inhaber des Circus Crocofant, arbeitet schon sein ganzes Leben im Zirkus und weiß genau, wie man mit wenig Worten viel bewirken kann.
Das Hab und Gut passt in 48 Fahrzeuge
Mit insgesamt 48 Fahrzeugen ist die Zirkustruppe unterwegs. „Wir haben eine Lizenz, damit wir auch mit Überlänge fahren können. So werden aus den 48 Fahrzeugen nur noch 22. Das spart nicht nur Geld, sondern belastet auch die Umwelt nicht so sehr“, erklärt Meise. Als alle Wagen an ihrem Platz stehen, schwirren die Männer wie ein Bienenschwarm aus und gehen an ihre Tätigkeiten. Zwei von ihnen treiben mit einem Presslufthammer 120 Anker in den Boden, die später das Zelt fixieren sollen. Der Schotter auf dem Platz tanzt zu den Schlägen des Hammers. Andere bauen in Windeseile die Toilettenwagen auf und reinigen sie, daneben werden die Tierställe aufgestellt. Die Tiger, Löwen und Pferde beobachten das Treiben vor ihren Boxen mit einer Seelenruhe.
Der Circus Crocofant gehört mit seinen zehn Tieren, zwölf Artisten und weiteren zwölf Mitarbeitern zu den kleineren Zirkussen in Deutschland. „Aber das, was wir machen, machen wir richtig“, betont Francois Meise. „Nicht umsonst treten Gruppen von uns im Winter beim Zirkus Krone auf.“ Um Geld zu sparen, geben sie nur Gastspiele in Süddeutschland. In Neu-Ulm feiert der Circus Crocofant nun seine Premiere. „Wir wollten schon länger nach Neu-Ulm und sind froh, dass es dieses Jahr geklappt hat“, betont Meise. Seit gestern macht der Zirkus an der Bahnhofstraße Station – Manege frei heißt es dann ab Donnerstag.
Doch noch fehlt das wichtigste an einem Zirkus – das Zelt. Die größte Arbeit beim Auf- und späteren Abbauen. Die Arbeiter allerdings sehen es gelassen. Vor einigen Jahren wäre das noch anders gewesen. Denn früher mussten die schweren Planen des Zeltes noch von Hand hochgezogen werden – heute übernehmen Elektromotoren diese mühsame Aufgabe.
Während sich die eine Hälfte der Zirkusleute um den Aufbau von Stützpfeilern kümmert, verknüpft die andere Hälfte die Kuppel mit dem restlichen Zeltdach. Als sie fertig sind, werden die Planen an den Stützpfeilern des Zeltes befestigt und mithilfe der Elektromotoren in die Höhe gezogen. Binnen weniger Minuten ragt die Zeltspitze des Circus Crocofant 16 Meter in die Höhe. An ihr flattert majestätisch eine Flagge des Freistaates. Doch noch ist das Tagwerk nicht vollbracht. Die schlaff runter hängenden Planen müssen die verschwitzten Männer noch auf Zeltstangen ziehen, die sie zuvor in einem Kreis mit einem Durchmesser von 30 Metern aufgestellt haben. 700 Personen werden später in dem Zelt Platz finden. Der Wind macht den Männern beim Spannen der Planen ganze schön zu schaffen. Doch nach längerem Kampf gelingt es ihnen, das Zelt auf den Stangen zu befestigen. Die verbinden sie schließlich mit den Ankern, damit auch bei starkem Wind alles an seinem Platz bleibt.
Nun fehlen nur noch die Sitzränge und die Manege
Kaum ist alles befestigt, klettert ein wagemutiger Mann das Zeltdach hoch und verknüpft die noch offenen Stellen an der Spitze des Daches, damit keiner der Gäste während eines Regenschauers nass wird. Nach mehrstündiger Arbeit klatschen sich die Männer völlig erschöpft aber glücklich ab. Doch sie wissen, dass sie noch viel vor sich haben: Sie müssen noch die ganzen Sitzränge und die Manege aufbauen.
Und schon in spätestens zwei Wochen geht alles wieder von vorne los. Dann brauchen die zwölf Männer wieder drei Tage, um alles wieder ab- und am neuen Spielort wieder aufzubauen. Für die nächsten Wochen wird dann Grünwald die neue Heimat der Zirkusleute sein.