Neu-Ulm Der Urlaub hat Heinz Koch und Claudia Riese gut getan. Die Südtiroler Spätsommersonne hat eine leichte Bräune hinterlassen, beide wirken entspannt, als sie erstmals nach der Sommerpause die Tür zum AuGusTheater in der Neu-Ulmer Silcherstraße öffnen. Noch ist die Bühne verwaist, doch schon ab Freitag wird wieder gespielt: zunächst weiter "Frühstück bei Kellermanns" und "Versteh einer die Frauen", die beiden erfolgreichen Stücke der abgelaufenen Saison - ab Oktober auch neue Produktionen. Von Marcus Golling


Insgesamt drei Neuinszenierungen sind bis Silvester geplant. So kommt zunächst "Venedig im Schnee" (Premiere am Freitag, 29. Oktober) zur Aufführung, laut Koch die derzeit erfolgreichste Komödie auf den Bühnen Europas. In dem Stück des Franzosen Gilles Dyrek geht es um den Besuch eines Paares bei einem anderen. Weil Besucherin Patricia wegen einer vorherigen Auseinandersetzung mit ihrem Freund beharrlich schweigt, glauben die Gastgeber, es mit einer Ausländerin zu tun zu haben - und Patricia, in Neu-Ulm gespielt von Heide Hoffmann, findet Spaß an dem Missverständnis und beginnt schließlich in der Fantasiesprache "Chouvenisch" zu parlieren. Eine Komödie über den Umgang mit Ausländern - und von uns miteinander. Neben Hoffmann, Riese und Koch spielt in dem Erfolgsstück aus Frankreich auch noch Holger Menzel, der zuletzt in der herrlich überdrehten Hitchcock-Komödie "Die 39 Stufen" in Neu-Ulm auf der Bühne stand.
Gastschauspielerin Heide Hoffmann ist auch der Star der zweiten Produktion des Herbstes: dem Ein-Personen-Stück "Penny Lane" (Premiere am Donnerstag, 4. November) von Gabriel Barylli ("Honig", "Kunst"). Regie führt Oliver Zimmer. Hoffmann spielt darin Susanna, die sich über ein Computer-Headset mit einer Freundin unterhält - die aber für die Zuschauer unsichtbar und -hörbar bleibt. Beide stehen in der Mitte ihres Lebens, aber in konträren Lebenssituationen. "Penny Lane", das auf der Studiobühne gespielt wird, ist eine Koproduktion mit dem Torturmtheater Sommerhausen.
Das dritte Stück des Herbstes hat noch gar keinen endgültigen Namen. Noch schreibt Heinz Koch an "Auf dieser Seite des Paradieses", Untertitel "Helden auf dem Abstellgleis". Auch hier soll es um Menschen im besten Alter gehen - allerdings um drei Männer: René (Descartes), Frederik (Nietzsche) und einen gewissen Mr. Spock, die so ihre Probleme mit dem Älterwerden haben. Auch der Spielort steht noch nicht fest: Koch will das Tresen-Stück gerne in Kneipen spielen und sucht noch nach einer geeigneten Location. Was im kommenden Jahr zu sehen sein wird, ist derzeit noch offen.
Keine weiteren Investitionen in das marode Gebäude
Die letzte Saison mit ihren insgesamt fünf Neuinszenierungen verbuchen Riese und Koch als Erfolg: Rund 15 000 Besucher kamen in die Vorstellungen des Theaters Neu-Ulm, dessen Zukunft aber dennoch ungewiss bleibt. Im vergangenen Jahr waren bei einer Begehung des alten Gebäudes unzureichende Brandschutzmaßnahmen bemängelt worden. Seitdem ist aber laut Riese von Verwaltungsseite nichts passiert. "Das schwebt aber immer noch wie ein Damoklesschwert über uns", so die Theatermacherin. Noch vier Jahre laufe der Mietvertrag, und die beiden Theatermacher, die seit 13 Jahren in der Silcherstraße ihre Zelte aufgeschlagen haben, seien nicht bereit, weiteres Geld in das marode (aber immer noch sichere) Gebäude zu stecken. Claudia Riese: "Wenn wir noch einmal 100 000 Euro investieren müssten, dann sind wir hier raus."
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