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Ulm: Mit der Taschenlampe in den Zoo

Ulm

Mit der Taschenlampe in den Zoo

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    Jan und Finn Zimmermann machen sich mit ihren Taschenlampen auf die Suche nach nachtaktiven Fischen im Aquarium.
    Jan und Finn Zimmermann machen sich mit ihren Taschenlampen auf die Suche nach nachtaktiven Fischen im Aquarium.

    Es ist dunkel im Donauaquarium des Ulmer Tiergartens. Das Plexiglas wölbt sich über den halbrunden Gang, oberhalb der Besucherköpfe blubbern Luftblasen durch die Wasserströmung. Andreas Dreher schaltet seine Taschenlampe ein. Der Lichtstrahl wandert über Steine, eine Wurzel. Ein keilförmiger Kopf löst sich aus der Umgebung, zwei Barteln tasten wie Fühler an die Glasscheibe, ein langgezogener Fischkörper gleitet hinterher.

    Gebannt beobachtet rund ein Dutzend Kinder das Tier. „Das ist ein Waller“, erklärt Tierpfleger Andreas Dreher und fährt mit dem Taschenlampenstrahl den Fisch entlang. Es ist kurz nach halb zehn Uhr abends, normalerweise haben die Bewohner des Donauaquariums um diese Zeit ihre Ruhe. Heute geistern bei der ersten Ulmer Zoonacht die Lichtkegel von Dutzenden Taschenlampen durch dunkle Gänge.

    Für die Zoonacht bereiten die Pfleger einige Tiere vor

    Einige Stunden vorher schließen die Türen des Tiergartens wie üblich um 18 Uhr. Für Nicole Dirscherl, die Leiterin des Tiergartens, und ihre sieben Mitarbeiter, heißt das nicht Arbeitsschluss: Stattdessen laufen sie durch die schmalen Gänge hinter den Kulissen, schieben Kunststoffboxen hin und her, klemmen Lampen an Aquarien und Terrarien. Nicole Dirscherl sucht mit den Fingern in einem Terrarium aus Plastik, schiebt Laubblätter und Erde beiseite. Ein langer schwarzer Körper erscheint, Dutzende Füße daran. „Riesentausendfüßer sind typische Nachttiere, deshalb sollen die Kinder die heute auch mal anfassen können“, sagt Nicole Dirscherl, packt das Tier in eine Kunststoffbox, und schließt den Deckel.

    Bei der Zoonacht sollen die Kinder in Berührung mit den Tieren der Nacht kommen. Dazu gehören auch einige Schlangen: Tierpflegerin Annica Duchon schnappt sich eine meterlange Albino-Tigerpython. Nicole Dirscherl öffnet die Tür eines alten Holzschranks. Wo daheim Hemden und Hosen aufgehängt sind, baumeln im Tiergarten Schlangenhäute. Die Leiterin fährt mit ihren Fingern eine silbrige Hülle entlang. „Wenn sich die Tiere so gut häuten, ist das ein Zeichen dafür, dass sie gesund sind“, erklärt sie. Sie nimmt einige Hüllen heraus – auch die sollen die Kinder später anfassen dürfen.

    Um Punkt 19 Uhr öffnen die Türen des Tiergartens wieder. Nicole Dirscherl begrüßt die ersten Familien, die Kinder halten ihre Taschenlampen schon in der Hand. In den Räumen der Aquarien und Terrarien ist es bereits dunkel, das Hauptlicht ausgeschaltet. Nur vereinzelt beleuchten Lampen die Welt hinter Glas, ganz leicht, wie Mondlicht.

    Im Raum der Zooschule zeigen Annica Duchon und Norbert Hesser nachtaktive Tiere, die die Kinder und ihre Eltern anfassen dürfen. Annica Duchon öffnet eine Box mit Schaben, legt sich eine auf die Hand und streckt sie den Besuchern entgegen. „Wer hat schon mal eine Schabe angefasst?“, fragt sie. Kopfschütteln ringsum, ein verzerrtes Gesicht hier, ein angewiderter Blick dort. Der kleine Felix traut sich schließlich: Erst einen guten Meter groß, stupst er das glänzende Insekt an und beginnt zu lächeln.

    Maxine lässt sich die Schlange um den Hals legen

    Als Nächstes ist eine rot-gemusterte Kornnatter dran. Sie züngelt, schlängelt den Arm eines Vaters entlang. „Das ist ein ganz lustiges Gefühl“, ruft der und grinst. Die Kinder streicheln vorsichtig über die glatte Haut der Schlange: „Das ist ja gar nicht glitschig.“ Die dreijährige Maxine lässt sich das Tier sogar um den Hals legen, beobachtet fasziniert, wie es sich bewegt.

    Andreas Dreher und Susanne Frieß führen durch die Aquarien, Terrarien und das Tropenhaus. Draußen ist es dunkel geworden. Um 22 Uhr versammelt Nicole Dirscherl eine Besuchergruppe um sich. Die kleineren Kinder sind inzwischen gegangen, die älteren folgen der Tiergartenleiterin durch den Hof. Einige Bäume ragen dort in den Himmel. „Ganz leise sein, dann kann man die Fledermäuse hören“, sagt Nicole Dirscherl. Tatsächlich: Immer wieder sind helle Töne zu hören, die die Tiere hoch oben ausstoßen. Genauso wie die Fledermäuse bleiben aber auch die Biber in der Friedrichsau versteckt. Ein Haufen Futterholz und etwas Gemüse zeugt davon, dass sie sich sonst in der Nacht hier stärken.

    Jan und Finn Zimmermann aus Ay sind begeistert vom Nachtabenteuer im Zoo. Die achtjährigen Zwillinge erkunden mit ihren Großeltern die Aquarien, leuchten mit den Taschenlampen in die hintersten Ecken. „Ich fand den Aal am tollsten“, erzählt Jan und strahlt.

    Für die letzten Tiergartengäste holt Nicole Dirscherl schließlich noch etwas ganz Besonderes aus einer Schlafbox: einen jungen Steinmarder, gerade fünf Wochen alt. „Den hat ein Mann vor drei Wochen hier abgegeben, nachdem der Kleine in seinem Garten lag und die Mutter nicht wieder aufgetaucht ist“, erzählt die Zooleiterin. Seitdem wird er mit einem Milchfläschchen sechs Mal am Tag gefüttert. Die Kinder streicheln das flauschige Fell.

    Nach 23 Uhr wird es still in den Gängen des Tiergartens. Die letzten Besucher schlendern zum Ausgang, Annica Duchon bringt die Boxen mit den Schaben, der Vogelspinne und den Riesentausendfüßern zurück aus der Zooschule. Leises Zirpen klingt aus dem Raum mit den Futtertieren, ein Besen wischt über den Boden. Nicole Dirscherl ist zufrieden mit dem Verlauf des Abends. Bei ihrer Kassiererin erkundigt sie sich nach den Besucherzahlen: Rund 150 sind gekommen. Die Tierpfleger setzen die letzten Tiere wieder in ihre Behausungen. „Noch ein Kontrollrundgang, und dann ist endlich Feierabend“, sagt Nicole Dirscherl und krault dem kleinen Steinmarder den Bauch.

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