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Arbeitswelt: Nichts wird sein, wie es war

Arbeitswelt

Nichts wird sein, wie es war

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    Künftig weniger Menschen in den Fabriken? Die Rationalisierung in den Betrieben wird durch den Fachkräftemangel vorangetrieben. Unser Foto zeigt einen Blick in eine Werkshalle des Ulmer Motorenproduzenten Deutz.
    Künftig weniger Menschen in den Fabriken? Die Rationalisierung in den Betrieben wird durch den Fachkräftemangel vorangetrieben. Unser Foto zeigt einen Blick in eine Werkshalle des Ulmer Motorenproduzenten Deutz. Foto: Foto: Brücken

    Ulm/LandkreisWir schreiben das Jahr 2022. Es herrscht Vollbeschäftigung im Landkreis. Seit der großen Krise 2008/2009 ging es eigentlich nur bergauf. Die Region boomt. Vor allem in den Bereichen Biotechnologie, Nutzfahrzeuge und Logistik hat sich die Region zu einem weltbekannten Zentrum für hoch spezialisierte Betriebe gemausert. Langsam geht es aber bergab. Die Arbeit bleibt zu lange liegen. Zwar schuften die Menschen schon bis fast 70, im Ausland wird um Zuwanderer geworben doch es fehlen über 18 000 Fachkräfte. Die Folge: Aufträge können nicht mehr erledigt werden, Kunden wenden sich Wettbewerbern zu. Hier gehen Firmen Pleite. Der Wohlstand droht flöten zu gehen.

    Reale Zukunftsmusik. Die neue Studie „Fachkräftemonitor“ der Industrie und Handelskammer Ulm zeigt eindringlich, dass die Sicherung des Fachkräftebedarfs für die Unternehmen die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre ist. „Es wird keine Branche verschont bleiben“, sagte gestern Otto Sälzle, der Hauptgeschäftsführer, bei der Vorstellung in Ulm. Doch insbesondere akademisch ausgebildete Ingenieure und nicht-akademische Techniker werden an allen Ecken und Enden fehlen. Übrigens auch, wenn die Wirtschaft mal lahmt. Der Fachkräftereport berücksichtigte in seinen Hochrechnungen „normale konjunkturelle Schwankungen“.

    In Landkreis Neu-Ulm ist die Lage nicht anders

    Demnach fehlen in der IHK-Region Ulm zwischen 2011 und 2025 jährlich im Durchschnitt rund 10000 Fachleute, um die Nachfrage der Betriebe zu decken. Davon etwa 1300 akademische und knapp 8700 nicht-akademische Fachkräfte. Der Mangel an Meistern und Fachwirten wird also sogar noch höher ausfallen als bei den Akademikern. Man muss nicht mal bis ins Jahr 2022 gehen, um einen eklatanten Mangel feststellen zu können: Bereits in drei Jahren soll es laut Studie 18000 offene Stellen geben, für die es keine geeigneten Bewerber gibt. In einigen von insgesamt 49 untersuchten Berufen kann künftig jede vierte Stelle nicht besetzt werden. „Das ist das größte Hemmnis für unsere Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Sälzle.

    Nicht weniger dramatisch ist nach Einschätzung von Oliver Stipar, dem Geschäftsführer der Neu-Ulmer IHK-Regionalversammlung, die Situation im Landkreis. „Die Studie lässt sich sehr gut auf unser Gebiet übertragen. Wir haben eine ganz ähnliche Struktur.“

    Auf die Unternehmen kommen also neue Zeiten zu, auf die sie sich langsam einstellen sollten. Der qualifizierte Mitarbeiter gewinnt an Wert und wird mehr Ansprüche stellen können. Sowohl was Entlohnung als auch immaterielle Ansprüche wie etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht.

    Einig sind sich Stipar und Sälzle, dass der Mangel an Fachkräften nicht völlig aufgefangenen werden könne. Doch ein Bündel an Maßnahmen könnte die Folgen zumindest abmildern. Im Kern sind das die besagte Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Weiterbildung auch der älteren Mitarbeiter, noch mehr Bildungspartnerschaften vom Kindergarten an mit frühzeitiger Förderung technischer und naturwissenschaftlicher Neigungen, Förderung von Frauen, mehr Marketing bei der Suche nach Nachwuchs, Verbesserung der Berufsorientierung, Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland und Rationalisierung. „Die Maßnahmen haben wir aufeinander abgestimmt und zu einer Gesamtstrategie zur Fachkräftesicherung zusammengefasst“, sagt Sälzle und gibt sich zuversichtlich. Beispiele: die „Demografie-Initiative“ (berät Unternehmen bei der Umsetzung eines demografiebewussten Personalmanagements), die „Kontaktstelle Frau und Beruf“ (leistet Unterstützung bei der Schaffung familienfreundlicher Rahmenbedingungen) oder das „Bildungsnetzwerk Schule/Wirtschaft“. Keine Berücksichtigung in der Studie fanden Berufe außerhalb von Industrie und Handel. Klar ist aber: auch Ärzte und Pflegepersonal werden 2022 knapp sein.

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