Ehemalige schwelgen am Wochenende in Weißenhorn in Erinnerungen an alte Zeiten.

Von Dave Stonies Weißenhorn Lehrer Josef Zintl greift in seine Schubladen und fördert wahre Schätze aus der Schulgeschichte zu Tage: Alte Bilder aus Abiturklassen der 1970er Jahren, ein Laufbuch der ehemaligen Oberschule oder das „Bieroloquium“ aus dem Jahr 1994. Reichlich Material für Kenner und Liebhaber des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums (NKG): Der Verein „Freunde des Gymnasiums“ feiert ab Freitag sein 20-jähriges Bestehen. In der Schule gibt es reichlich Programm. Zintl erinnert sich gut: Die Gründungsversammlung fand am 22. Mai 1992 statt. Es wurden Fotos der Abiturjahrgänge von den 1970er bis zu 1990er Jahren gezeigt – der Unterstufenchor hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt. „In den vergangenen 20 Jahren hat sich einiges geändert“, weiß der Lehrer. Zum Fest werden neben Bildern aus vergangenen tagen auch aktuelle Dokumente in Ausstellungen gezeigt. Die Arbeit des Vereins sei für das Gymnasium sehr wichtig: Die Freunde gewähren finanzielle Zuschüsse, etwa für den Bau der Mensa oder für Schüleraustauschprogramme. Außerdem halten sie Kontakte zur Wirtschaft und zu Universitäten. Der Verein fungiert als Netzwerk für ehemaligen Schüler. Erinnerungsstücke aus vergangenen Zeiten Zintl hat viele Erinnerungsstücke aus vergangenen Zeiten hervorgekramt: So mussten die Ehemaligen im Jahr 1994 wieder die Schulbank drücken. Dieses Mal aber nicht wegen Wissenslücken in Physik oder Englisch – sondern für die Verkostung von Bier. Jeder Teilnehmer sollte eine Sorte am Geschmack erkennen. „Nüchterne Kandidaten sind durchgefallen“, sagt Lehrer Zintl und lacht. In alten Zeiten schwelgen können die Absolventen auch mit dem inoffiziellen Kultgetränk „Nikolaschka“. Der ehemalige Mathelehrer Günther Kosian soll dieses getränk in den 1970er Jahren entwickelt haben. Das Rezept: Ein Glas Cognac, eine Zitronenscheibe, Zuckerwürfel und Kaffeepulver. Das Ganze muss in einem Schluck getrunken werden. Neben dem „Nikolaschka“ sollen weitere nostalgische Leckerei die Sehnsucht der Besucher nach den guten alten Zeiten erfüllen. Als Gastredner konnte Josef Zintl den britischen Sprachwissenschaftler Anthony Rowley verpflichten. Der Philosoph ist Mundartforscher für bayerische Dialekte und in dieser Funktion regelmäßig im Fernsehen zu Gast. Über ein Fundstück freut sich Zintl besonders: Das sogenannte „Laufbuch“ aus dem Jahr 1952. Da es damals in der Schule noch keine Durchsagen über eine Lautsprecheranlage gab, notierte der Schulleiter kleine und große Fehltritte von Schülern in einem Buch. Der Hausmeister verwirklichte sich dann als Sprachrohr der Schulleitung – und verkündete die Notizen des Direktors. Josef Zintl erzählt von einem Eintrag vom 16. Februar 1952, als ein Schüler während einer Bahnfahrt Karten spiele. Das war damals verboten, denn der Eindruck der Schule hätte darunter leiden können. Im Wiederholungsfall gab es einen Verweis, so Zintl. Die Zeiten haben sich geändert: Heute gibt es am NKG sogar Schafkopftuniere. Eine Konstante ist aber der Unterstufenchor des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums: Er wird die Feierlichkeiten am heutigen Freitag eröffnen – wie damals bei der Gründung des Freunde-Vereins vor 20 Jahren.
Das Programm:
Das Fest zum 20-jährigen Bestehen des Vereins „Freunde des Gymnasiums“ beginnt am Freitag um 17 Uhr. Bei einem festakt werden Ehemalige und Bürger begrüßt. Verschiedene Ausstellungen mit Fotos aus vergangenen Zeiten werden zu sehen sein. Es gibt reichlich Material. Der Dialektforscher Professor Anthony Rowley wird einen Vortrag halten. Er ist Leiter der Redaktion der Kommission für Mundartforschung an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und berietet derzeit ein bayerisches Wörterbuch in zehn Bänden vor. Bei der Feier wird aus dem alten „Laufbuch“ aus dem Jahr 1952 vorgelesen: Der damalige Schulleiter hatte Fehltritte seiner Schüler persönlich notiert und die Strafen dann über den Hausmeister verkünden lassen. Mit dem Kultgetränk „Nikolaschka“ – einem Cognac samt Zitronenscheibe, Zucker und Kaffeepulver – wollen die Ehemaligen in alten zeiten schwelgen. Der ehemalige Lehrer Wolfgang Doberauer zeigt Karikaturen. Die Rock-n-Roll-Tänzer der „Rockodiles“ zeigen ihr Können. Auch der Unterstufenchor ist zu hören. Am Samstag sind die Ausstellungen von 10 bis 15 Uhr zu sehen, es gibt Führungen durch die Schule. (dsto)
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