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Nur das Brausen des Windes

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Nur das Brausen des Windes

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    In einer steilen Kurve über dem Donautal: Gleich endet das berauschende Gefühl der Schwerelosigkeit. Foto: pim
    In einer steilen Kurve über dem Donautal: Gleich endet das berauschende Gefühl der Schwerelosigkeit. Foto: pim Foto: pim

    Es war kalt und leicht regnerisch an diesem Tag und erstmals hatte ich mich bei der Fahrt zum Erbacher Flugplatz des Sportfliegerclubs (SFC) Ulm über das miese Maiwetter gefreut. Schließlich war mir am Telefon gesagt worden: "Fliegen können wir nur bei guten Bedingungen." Es würde also wohl ein gemütlicher Termin mit Bodenhaftung werden, eine theoretische Unterhaltung über Segelflug bei einem Tässchen Kaffee im Clubheim. Denkste. "Natürlich werden wir mit Ihnen fliegen", verspricht der Vereinschef Georg Unseld zur Begrüßung.

    Auf meine vorsichtigen Einwände hin gesteht mir Unseld, dass auch er selber nicht völlig schwindelfrei ist und im Sessellift oder im Heißluftballon Höllenqualen leidet. Aber im Segelflugzeug hatte er noch nie Probleme. Nicht mal in 6000 Meter Höhe über der afrikanischen Savanne mit der Sauerstoffkanüle in der Nase. Unseld steuert auch Motorflugzeuge. "Aber das ist nur eine Möglichkeit, um von A nach B zu kommen." Nicht zu vergleichen sei das mit dem einmaligen Erlebnis, bei guter Thermik nur mit Hilfe von Sonne und Wind und ohne Motorkraft viele Hundert Kilometer zurückzulegen.

    Eine Brotzeit und Getränke haben in dem engen Cockpit gerade noch Platz, eine Bordtoilette dagegen nicht. Wenn also den Piloten unterwegs mal ein menschliches Bedürfnis plagt? "Gefrierbeutel haben sich bewährt."

    Ich habe rein zufällig keinen bei mir, aber an viele Hundert Kilometer und viele Stunden in der Luft ist sowieso nicht zu denken. Sonne erzeugt Thermik und die Sonne ist nicht zu sehen. Also lassen sich die Piloten bei Schmuddelwetter mit der Winde auf gut 400 Meter Höhe katapultieren und schweben dann im Sinkflug zurück zum Flughafen. Maximal zehn Minuten wird das Abenteuer dauern, schätzt mein Fluglehrer Carlo Schwer. Der ist übrigens auch nicht schwindelfrei, aber so rund 3000 Starts und Landungen hat er trotzdem auf dem Buckel.

    An eben diesem Buckel hatte ich eigentlich mit den Augen Halt zu finden gehofft. Der zweite Irrtum des Tages, denn ich darf vorne sitzen. "Damit Sie eine gute Rundumsicht haben." Fotograf Horst kneift wie angekündigt, für mich ist es jetzt zu spät. Schließlich ist Unseld schon damit beschäftigt, mir den für Segelflieger vorgeschriebenen Fallschirm anzulegen und mir noch schnell zu erklären, an welchem Riemen ich im Zweifelsfall zu ziehen habe. Ein paar tröstende Worte: "Den braucht man eh nie." Und vor allem: "Bei nur 400 Metern Höhe nutzt kein Fallschirm was." Das beruhigt mich ungemein.

    Kurze Einweisung in das Cockpit des Schulflugzeugs, in dem alle Instrumente doppelt vorhanden und von beiden Plätzen aus zu bedienen sind. "Finger weg vom Steuerknüppel." Den hätte ich ohnehin nicht angefasst. "Und auf keinen Fall an diesem Hebel ziehen. Mit dem wird im Notfall das Dach des Flugzeugs weggesprengt." Ich werde das Ding ganz sicher nicht mal anschauen und halte mich stattdessen wie empfohlen an den Tragegurten meines Fallschirms fest, den man ja sowieso nie braucht.

    Zunächst nur ein kurzes Rucken des Seils, ein leichtes Hoppeln des Fliegers über den unebenen Rasen des Erbacher Flugplatzes. Aber schon und viel früher als erwartet sind wir in der Luft und dann setzt die gewaltige Beschleunigung ein, der Vogel schießt in der gefühlten Senkrechten nach oben. Von hinten ertönt die fröhliche Frage: "Geht es Ihnen gut?" Ich lüge dreist ein "prima", löse sogar mutig eine der verkrampften Hände vom Fallschirmgurt und recke den Daumen nach oben.

    Dann wird das Zugseil mit einem leisen Klicken ausgeklinkt, der Flieger legt sich flach in die Luft und schwebt über dem Donautal. Kein Motorengeräusch stört die Ruhe in gut 400 Meter Höhe, zu hören ist nur das Brausen des Windes. Nun entspannt sich der zuvor so nervöse Passagier und er spürt sie ganz deutlich: die Faszination des Segelflugs. Carlo Schwer legt den Vogel steil in ein paar Kurven, zeigt mir die Silhouette der Ulmer City und ich drücke ein paar Mal auf den Auslöser der kleinen Kamera, die mir Horst mitgegeben hat. Nicht mal zehn Minuten dauert das berauschende Gefühl der Schwerelosigkeit, dann setzt der Flieger wieder auf. Doch viel zu früh eigentlich und schade, dass das Wetter so mies war. Ich hatte auf einmal richtig Lust bekommen auf einen stundenlangen Flug über viele Hundert Kilometer.

    Infos auch online

    www.sfc-ulm.de

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