Ein Riese droht in Schieflage zu geraten: Das Weißenhorner Aluminiumschmelzwerk Oetinger, mit seinen vier Tochterunternehmen Europas größter Hersteller von Aluminiumgusslegierungen, wirft unterm Strich derzeit keinen Gewinn mehr ab.
Diskussion verschiedener Maßnahmen
Geschäftsführer Uwe Baur bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass „enormer Preisdruck“ die Unternehmensgruppe mit 500 Beschäftigten zum Handeln zwinge. Ein im Verhältnis zu den Produktionskosten extrem geringes Preisniveau und ein weltweites Überangebot hat die ganze Branche belastet. Insbesondere in China gibt es nach Experteneinschätzung enorm hohe Überkapazitäten.
Derzeit werden in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Banken „verschiedene Maßnahmen“ diskutiert, die Rendite zu erhöhen. Oetinger habe volle Auftragsbücher, doch unterm Strich werde kein Geld verdient. Schuld an der schwierigen Lage sei die lahmende Konjunktur in Südeuropa: Freie Kapazitäten von Schmelzwerken in Ländern wie Italien oder Spanien würden die Preise nach unten treiben. Aber: „Wir sind nach wie vor handlungsfähig“, sagt Baur und betont eine „bestehende Finanzierung“. Um allerdings aus der Schieflage zu entkommen, müsse an vielen Stellschrauben gedreht werden. Einsparpotenziale seien etwa die Senkung des Einkaufspreises von Metallschrott, Erhöhung des Verkaufspreises von Legierungen und die Löhne.
Selbst Lohnverzicht kein Mittel zur Besserung
Hier kommt die Gewerkschaft IG Metall ins Spiel: Der erste Bevollmächtigte Günter Frey bestätigte, dass für kommende Woche Gespräche mit der Unternehmensführung über die vorübergehende Aussetzung von tariflichen Leistungen (also Lohnsenkungen) geplant seien. Grundlage der Verhandlungen sei eine Analyse von Unternehmensberatern (EWR Consulting). Durch dieses Papier sei von unabhängiger Seite eine Schieflage bestätigt worden. Angesichts eines Lohnkostenanteils von deutlich unter zehn Prozent sieht Frey die Arbeitnehmer hier jedoch nicht an vorderster Front in der Pflicht. Denn selbst etwa ein Lohnverzicht von zehn Prozent würde eine kaum spürbare Verbesserung der Renditesituation bewirken.
Uwe Baur sieht trotz allen Problemen Oetinger gewappnet: „Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet.“ Der Geschäftsführer sieht zudem Anzeichen, dass sich der Weltmarktpreis für Aluminium wieder erhöht. Und der Bedarf der Oetinger-Kunden – Gießereien in der Automobilindustrie und im Maschinenbau, in der Stahl- und Elektroindustrie – sei da, wie volle Auftragsbücher bestätigen würden.