Von Angela Häusler
Wullenstetten „Diese Weihe ist für mich keine Auszeichnung, sie ist ein Dienst“, sagt Bruder Timotheus Bosch, der am kommenden Sonntag in St. Ottilien nahe Landsberg am Lech seine Priesterweihe empfangen wird. Traditionell folgt der Primizgottesdienst, die erste heilige Messe des frisch geweihten Geistlichen, in seinem Heimatort. In Wullenstetten begeht die Kirchengemeinde diesen besonderen Anlass mit Prozession und Feier am 3. Juni.
Schon als Schulkind habe er den Wunsch gehabt, einmal Priester zu werden, berichtet der heute 38-Jährige, der viele Jahre als Ministrant in der Kirche Maria Verkündigung aus und ein ging. Doch in der Jugend verschoben sich seine Interessen in Richtung Naturwissenschaft: Bosch studierte Physik, erwarb den Doktortitel und widmete sich in Deutschland, der Schweiz und den USA der Grundlagenforschung. Das tut er noch immer, wenn auch aus einer anderen Perspektive. Es sei die Suche nach Gott, berichtet er, und die Faustsche Frage danach, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, die ihn diesen Weg beschreiten lasse.
Bereits 2005 ist der Wullenstetter ins Kloster St. Ottilien eingetreten, seither wird er nicht mehr Stefan, sondern Timotheus genannt, diesen Namen hat er beim Eintritt in die Erzabtei als Ordensnamen vorgeschlagen. Er befasste sich in München und Rom mit dem Studium von Theologie und Philosophie, derzeit bereitet er sich mit einem Referendariat in Weilheim auf eine Tätigkeit als Lehrer vor. In den kommenden Jahren wird er am Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien unterrichten, Mathematik, Physik, eventuell auch Religion. „Ich gehe davon aus, dass ich dort einige Jahre tätig sein werde“, sagt Bosch. Und auch Kurse für Besucher wird er im Exerzitienhaus des Klosters geben. Was er noch zu Ende bringen will, ist die Abschlussarbeit zum Lizenziat, der akademischen Voraussetzung zur Lehrtätigkeit an kirchlichen Hochschulen. Seit Kindertagen ist der Wullenstetter außerdem musikbegeistert, erlernte im Kloster zusätzlich zum Horn das Orgelspiel.
In seiner Funktion als Diakon hat sich Bosch im vergangenen Jahr auf die Feier von Gottesdiensten und die Tätigkeit als Seelsorger vorbereitet. Als Priester möchte er nun „versuchen, was mir an Geschenken und Gnade zuteilwurde, an die Menschen weiterzugeben“, sagt Bruder Timotheus. Und dazu gebe es als Priester viel Gelegenheit, etwa in Beichtgesprächen oder beim Spenden von Sakramenten. Dieses Ziel drückt sich auch in seinem Primizspruch aus: „Diene dem Herrn mit Freuden.“
Gemeindepfarrer aber wollte der Wullenstetter nie werden – er schätzt das Leben im Kloster, die Gemeinschaft mit den Mitbrüdern und vor allem die Zeiten des Gebets, die im klösterlichen Alltag weiten Raum einnehmen. Fünfmal täglich treffen sich die Ordensleute zum Stundengebet.
Rund 100 Mönche leben und arbeiten in der Erzabtei, zu der neben Kirche und Klostergebäuden auch Landwirtschaft, Verlag, Missionsmuseum sowie ein Gymnasium mit rund 700 Schülern gehören. Voll in den Orden aufgenommen wurde Bosch im vergangenen Jahr mit der Ablegung der Ewigen Profess. Die Priesterweihe erfülle ihm nun einen Kindheitstraum, erzählt Bruder Timotheus, „darauf freue ich mich natürlich“.
Auf die Primiz am 3. Juni und das anschließende Fest in Wullenstetten bereiten sich Kirchengemeinde und örtliche Vereine schon seit Wochen vor. Geplant ist dabei eine Prozession von der Kirche zum Musikerheim (Beginn ist 9.30 Uhr), Gottesdienst im Zelt, anschließendes Mittagessen sowie eine Vesper (16 Uhr), bei der der Einzelprimizsegen erteilt wird.