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Neu-Ulm: Prostituierte entlasten vermeintliche Mädchenhändler

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Prostituierte entlasten vermeintliche Mädchenhändler

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    Prozess in Memmingen: Drei Männer aus Neu-Ulm sollen mehrere Frauen zur Sexarbeit gezwungen haben.
    Prozess in Memmingen: Drei Männer aus Neu-Ulm sollen mehrere Frauen zur Sexarbeit gezwungen haben. Foto: Johannes Eisele, dpa (Symbolbild)

    Mit der sogenannten „Loverboy“-Masche sollten sie mehrere rumänische Frauen zur Prostitution gezwungen und somit auf üble Weise ausgebeutet haben. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft belastet die drei Rumänen schwer, die sich vor dem Amtsgericht Memmingen wegen Menschenhandels verantworten müssen. Doch war alles ein Missverständnis? Prostituierten sich die Frauen freiwillig? Zeugenaussagen werfen am ersten Verhandlungstag Fragen auf.

    Bis zu zehn Jahre Gefängnis erwartet die drei Männer, sollte sich der Vorwurf der Staatsanwaltschaft bestätigen. Sechs Monate waren sie bereits in Untersuchungshaft. Als „Loverboys“ werden Männer bezeichnet, die den teils minderjährigen Frauen blumige Liebesversprechen machen. Sie schwärmen von einer gemeinsamen Zukunft, mit Familie und einem Häuschen. Sind die Mädchen erst einmal emotional abhängig und von der Familie isoliert, zeigen die vermeintlichen Traumprinzen ihr wahres Gesicht. Die Frauen müssen ihren Körper verkaufen und den Verdienst an die Zuhälter abgeben. Durch eine perfide Mischung aus Einschüchterung, Drohungen und neuen Liebesversprechen werden die Mädchen gefügig gemacht.

    Nun wurden die drei Angeklagten jedoch von den Aussagen drei junger Frauen entlastet: Alle drei, jeweils zwischen 20 und 21 Jahren alt, gaben übereinstimmend an, sie seien aus freiem Entschluss aus Rumänien gekommen, um in Deutschland als Prostituierte Geld zu verdienen. Damit hätten sie ihre armen Familien zu Hause finanziell unterstützen und dort jeweils ein Haus für eine gemeinsame Zukunft mit ihren Freunden bauen wollen. Die drei Angeklagten seien völlig unschuldig in Haft. Eine Zeugin betonte, dass sie aussagen wolle, obwohl sie mit einem der Angeklagten verlobt sei; sie verzichte auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, „um ihn frei zu bekommen“.

    Eine andere gab an, ihr Freund sei sogar dagegen gewesen, dass sie sich prostituiere, aber „ich wollte arbeiten und Geld verdienen“. Auf Fragen des Richters, des Staatsanwalts und der drei Verteidiger bestätigten die drei Frauen immer wieder, sie seien nie bedroht oder gar geschlagen worden und sie hätten mit ihrem Geld, das sie in einem Neu-Ulmer Club und in einem Ulmer Bordell verdienten haben, machen können, was sie wollten.

    Fortsetzung im November und Dezember

    Alle drei Frauen sagten aus, dass sie auch heute noch als Prostituierte arbeiten – und zwar freiwillig. Sechs weitere Zeugenaussagen – darunter ein Arzt, der sich an nichts erinnern konnte – trugen nichts zur Erhellung des Sachverhaltes bei, sodass Richter Braun nach einem Rechtsgespräch bekannt gab, dass das Verfahren am 22. November und am 9. Dezember fortgesetzt wird.

    Der nächste Termin diene, so Braun, nur der Fristeinhaltung, damit eine Unterbrechung des Verfahrens nicht zu lange dauere. Es würden nur Urkunden verlesen. Aber am zweiten Termin seien ausführliche Zeugenvernehmungen zu erwarten. Staatsanwalt Thorsten Liese hatte die Aussagen der Frauen sehr gelassen verfolgt, obwohl sie seiner Anklage deutlich widersprachen. Er deutete aber an, noch einige Trümpfe in der Hinterhand zu haben. Dazu gehören wohl diverse Observationsergebnisse und die Aussagen der ermittelnden Kriminalbeamten. So ist am 9. Dezember ein interessanter Verhandlungstag zu erwarten.

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