Ulm Vor der Bühne wippen kleine Laternen auf und ab, einträchtig schallt ein „Rabimmel, Rabammel, Rabumm“ durchs Dunkel. Ein Licht war den 1200 Besuchern, die zum Konzert von Laternen-Joe ins Ulmer Roxy gepilgert waren, aber bereits lange vorher aufgegangen. Dass sich dort Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo González alias Jealousy, Julia und Jack Laterne ein Stelldichein gaben, hatte sich längst herumgesprochen. Ebenso, dass nur reinkommt, wer brav seinen Ausweis zückt und am Einlass, dessen Nummer mit den Ziffern auf der Eintrittskarte abgleichen lässt.
Doch spätestens als die Drei „Wir sind Laternen-Joe, wir machen euch gerne froh“ anstimmen, ist die nervenaufreibende Schlacht um die innerhalb von eineinhalb Stunden ausverkauften Tickets vergessen. Es folgen ein paar geistreiche Ausflüge zum „Krautrock“ – charakterisiert durch wunderbar nachgeahmte grottig ausgesprochene, englische Texte –, in die 80er („She’s a Maneater“) oder zu Uriah Heep, wo sich das Publikum nicht lange bitten lässt und kurzerhand in „Lady in Black“ mit einstimmt.
Mit „Junge“ kommt dann gleich zu Beginn ein Ärzte-Hit, übrigens der jüngste während des ganzen Konzerts, der somit noch frisch in Erinnerung ist. Für die größtenteils recht jungen Besucher also höchste Zeit, den Pogo zu eröffnen – und den ersten Becher Bier über den Kopf des Nebenmanns zu vergießen. Ein bisschen Punk muss schließlich sein.
Ansagen in fast lupenreinem Schwäbisch
Richtige Punks und gar Irokesen sind allerdings kaum zu sehen. Hatten vermutlich keine Kreditkarte zur Hand, um damit – Alternativen gab es nicht – die Karten per Vorkasse zu bezahlen. Wobei ja auch die Ärzte, abgesehen von einigen Versprechern („Fari...äh, Jealousy“), an diesem Abend im Roxy gar nie in Erscheinung treten. Stattdessen stellt Farin Urlaub die Truppe als Band aus Reutlingen vor – woran es angesichts einiger Ansagen in fast lupenreinem Schwäbisch auch überhaupt nichts zu zweifeln gibt.
Auch sonst wird auf der Bühne gealbert und gewitzelt. Werden Songs angespielt, abgebrochen und nach ein paar Sprüchen und Lachern eben wieder angespielt. Werden Anekdoten aus dem Hotel, wo Farin das Opfer eines zu lauten Steppers geworden ist, in Texte eingebaut. Und so wird das Konzert schließlich zur lockeren Jam-Session. Obwohl Bela B. schon nach gefühlten zwei Stücken das baldige Ende des Auftritts angekündigt hat – vermutlich als Anspielung auf das für den Geschmack der Fans etwas zu kurz geratene Konzert in Zwickau, für das sie einige Buhrufe geerntet hatten.
Nicht so in Ulm. Ihren Einsatz verpassen die Ulmer weder bei „A-Moll“, noch bei „Der lustige Astronaut“. Klassiker wie „Rebell“ nimmt das Publikum ebenso euphorisch auf wie die Sahnehäppchen „Vollmilch“, „Erna P.“ oder „Am Ende meines Körpers“. In fast 30 Jahren Bandgeschichte hat sich Einiges angesammelt, das längst in den Tiefen der grauen Zellen verschwunden war. Und was man nun mit glänzenden Augen, wie ein Kind beim Geburtstag, wieder hervorkramen durfte.
Den krönenden Abschluss bildet nach der zweiten Zugabe der „Schrei nach Liebe“. Eine treffende Wahl, um die Zuhörer nach über zwei Stunden zufrieden und mit dem guten Gefühl nach Hause zu schicken, sich nicht umsonst für die „beste Band der Welt“ entschieden zu haben – egal ob aus Reutlingen oder Berlin.