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Mittelaltermarkt: Ross und Reiter als Stars im Kloster

Mittelaltermarkt

Ross und Reiter als Stars im Kloster

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    Beim Mittelaltermarkt gibt’s auch Jonglage mit dem Seil zu sehen.
    Beim Mittelaltermarkt gibt’s auch Jonglage mit dem Seil zu sehen. Foto: Hub

    Ulm Zwei Männer der Steinzeit und ein Pferd: Der eine Mensch möchte das Tier essen, der andere hat eine neue Idee, wozu sich der Vierbeiner eignen könnte. So beginnt die „Historica“, eine Darstellung von 25000 Jahren gemeinsamer Geschichte von Pferd und Mensch der Compania Ferrata, die den Wiblinger Mittelaltermarkt noch bis Sonntag bereichern. Die Idee zu dieser speziellen Show entstand beim Auftritt der Stunt-Reitertruppe Compania Ferrata in Wiblingen im vorigen Jahr, entwickelt wurde sie dann in Österreich. Was wäre, wenn sich der hungrige Steinzeitmensch durchgesetzt hätte? Michael Cornély, Schauspieler und Chef der Stunt-Reitertruppe, mag es sich nicht vorstellen.

    Er ist von der Intelligenz der Pferde seiner Truppe begeistert. „Das sind Profischauspieler“, sagt er. Hengst „Pluto“ verweigere jede Aktion, die ihm für sich, für seinen Reiter oder die Zuschauer gefährlich erscheint. „Die Beziehung zwischen Pluto und seinem Reiter Fritz Junginger basiert auf Urvertrauen, wie ich es noch nie gesehen habe“, versichert Cornély. Deshalb stört es Pluto auch nicht, in der „Historica“ mit seinem Reiter mitten im Feuerwerk zu sitzen, das am Ende der Show zu Händels „Feuerwerksmusik“ gezündet wird.

    Eine Rolle im Film „Die drei Musketiere“

    „Cool“ sei Pluto, erzählt Cornély – und dabei zu jedem Unsinn bereit. „Im neuen Film ,Die drei Musketiere’ stellte Pluto die Stute Butterblume dar und war mit blonder Mähne verkleidet“, berichtet Cornély. Ob „Der siebte Sinn“ oder Fantasyverfilmungen: Pluto und seine Kollegen Quasimodo, ein Murgheser Hengst, oder Vento, ein viereinhalbjähriger Schimmel, dem Cornély eine große Karriere vorhersagt, sind Profis im Showgeschäft. „Alle Abläufe werden trainiert. Die Pferde verinnerlichen eine solche Kette von Abläufen sehr schnell. Da bräuchte der Reiter auch nicht versuchen, etwas anderes zu machen.

    Durch diese Fähigkeit der Pferde wirken selbst Schauspieler, die eigentlich gar nicht reiten können, wie gute Reiter“, verrät Michael Cornély. Dass die Männer seiner Truppe aber wirklich gute Reiter sind, ist für ihn Grundlage. „Ritterturniere sind heute in der Darstellung nicht wesentlich ungefährlicher als im Mittelalter“, sagt er. „Das Reiten muss selbstverständliche Nebensache sein.“

    Cornélys liebste Zuschauer sind Kinder. „Bei ihnen ist eine klare Zeichnung von Gut und Böse wichtig“, sagt er. „Es verblüfft mich immer wieder, welche Aggressionen sie gegen Bösewichte entwickeln, wenn die den Guten hinterrücks aus dem Sattel holen. Deshalb ist es wichtig, dass am Ende der Böse im Dreck liegt. Man darf die Kinder nicht mit ihren Emotionen alleine lassen.“

    So auch bei den Ritterturnier-Shows, die tatsächlich lokalen Bezug haben, denn nach seiner Niederlage 1176 im italienischen Legnano war Kaiser Friedrich Barbarossa gekränkt vom Verrat seines Cousins Heinrich von Braunschweig, Heinrich der Löwe genannt. Daraufhin berief Barbarossa Heinrich vor das Reichsgericht nach Ulm. Eine pferdebezogene Version der historischen Ereignisse zeichnet die Show: Barbarossa wird zwar anfangs gedemütigt durch den Sand geschleift, am Ende aber feiert er glücklich mit seiner Frau – und auf dem Thron sitzt ein gekröntes Pferd. Außerhalb der Turniere sind die Pferde der Truppe bei Fritz Junginger in Günzburg untergebracht, und auch die Reiter verbringen die Nächte nicht in den Zelten auf dem Mittelaltermarkt. „Pferde, Männer, Waffen und Alkohol sind eine miserable Konstellation“, sagt Cornély. „Wenn man hoch professionell arbeitet, muss man topfit sein. Und eine Dusche braucht Joachim Fetten auch dringend, wenn er als Barbarossa durch den Sand geschleift worden ist.“

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