Ulm Die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker und die Krise beim Solarzulieferer Centrotherm hinterlassen Spuren auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Die Auswirkungen halten sich bislang aber noch in Grenzen. Zum Teil haben die entlassenen Frauen und Männer bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Und für die übrigen Betroffenen in Ulm und im Alb-Donau-Kreis sind die Aussichten nach Einschätzung der Agentur für Arbeit Ulm nicht schlecht.
„Wir haben einen aufnahmefähigen und dynamischen Arbeitsmarkt“, sagte der neue Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Ulm, Peter Rasmussen, gestern an seinem ersten Arbeitstag an der Wichernstraße. 62 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schlecker haben sich im Zuständigkeitsbereich der Ulmer Agentur arbeitslos gemeldet. Mit allen Betroffenen seien Erstgespräche geführt worden, sagte Rasmussen. Die Agentur bemühe sich verstärkt, Stellen im Einzelhandel zu akquirieren, biete aber auch Umschulungen an. Ungelernte Arbeitskräfte sollten die Chance erhalten, ihren Abschluss nachzuholen. Derzeit werde der Qualifizierungsbedarf der Frauen und Männer ermittelt. Eventuell werde eine Vermittlungsbörse angeboten.
„Neun Betroffene sind schon wieder in Arbeit, zwei in einer Qualifizierungsmaßnahme. Um die anderen bemühen wir uns intensiv“, sagte Rasmussens Vorgängerin Petra Cravaack, die nach neun Jahren an der Spitze der Ulmer Arbeitsagentur nach Stuttgart gewechselt ist. Momentan seien im Ulmer Zuständigkeitsbereich 83 offene Stellen im Verkauf gemeldet. Auch die von Schlecker entlassenen Fleischer brächten einen Berufsschulabschluss mit, der auf dem hiesigen Arbeitsmarkt durchaus gefragt sei.
Hauptverwaltung offenbar kaum betroffen
Die Schlecker-Hauptverwaltung in Ehingen mit etwa 800 Beschäftigten ist von Entlassungen bislang weitgehend verschont geblieben. Bei der Agentur haben sich von dort bislang zehn Beschäftigte arbeitslos gemeldet. Auch die beiden Logistikbetriebe am Stammsitz der Drogeriemarktkette mit etwa 500 Mitarbeitern sollen wohl bestehen bleiben, so die Informationen der Arbeitsagentur.
Die im März entlassenen Mitarbeiter des Maschinenbauers Centrotherm in Blaubeuren werden erst ab Mai – wenn die ersten Kündigungsfristen abgelaufen sind – in der Statistik als arbeitslos erfasst. In Ulm haben sich bislang 124 Betroffene gemeldet. Ihre Chancen, einen neuen Job zu finden, stuft Peter Rasmussen als sehr gut – da sie hoch qualifiziert seien und auch von der Altersstruktur gut ins Anforderungsprofil vieler Firmen passten. Allerdings hätten die Facharbeiter und Ingenieure bei Centrotherm auch viel verdient und seien teilweise sehr spezialisiert. Ihre Fähigkeiten sind über Ulm hinaus gefragt – die Arbeitsagentur hat sich umgehört und erfahren, dass Fachunternehmen in Aalen, Reutlingen und Ravensburg Interesse angemeldet haben. 25 ehemalige Mitarbeiter von Centrotherm haben bereits wieder eine Arbeitsstelle.
„Die aktuellen Einschläge bremsen den Beschäftigungsaufbau zwar aus, aber von einer grundsätzlichen Trendwende gehe ich nicht aus“, sagt Petra Cravaack. „Wir sehen die Stärke der Region nach wie vor ungebrochen.“ Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewege sich weiterhin auf hohem Niveau. „Qualifizierte Kräfte, die räumlich und zeitlich flexibel sind, haben derzeit gute Chancen, eine neue Stelle zu finden.“ "Seite 27