Eine junge Profi-Boxerin und zwei Wachleute sind vor einem Boxkampf in Berlin niedergeschossen worden. Die Polizei nahm nach der Tat einen 44-Jährigen fest. Der Schütze sei der Stiefvater und ehemalige Manager der Boxerin, sagte Geschäftsführer Malte Müller-Michaelis vom Veranstalter Arena Boxpromotion am Samstag.
Der Mann soll sich Anfang des Jahres mit seiner Stieftochter zerstritten haben.
Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte diesen familiären Hintergrund zunächst nicht. Das Motiv der Tat auf der Trabrennbahn in Karlshorst sei bislang unklar, sagte Sprecher Martin Steltner. Die Mordkommission ermittelt wegen versuchten Totschlags.
Die 25-jährige Leichtgewichtskämpferin und die beiden angeschossenen 34 und 36 Jahre alten Sicherheitsmänner wurden ins Krankenhaus gebracht und operiert. Lebensgefahr bestand nicht, wie die Behörden mitteilten.
Der Täter hatte nach ersten Erkenntnissen der Polizei vor der Kabine der Leichtgewichtsboxerin auf die Wachleute geschossen. "Markerschütternde Schreie aus dem Kabinenbereich" habe man in der Sporthalle am Boxring gehört, sagte Veranstalter Müller-Michaelis. Nachdem der Stiefvater die Sicherheitsleute überwunden hatte, soll er den Angaben Müller-Michaelis zufolge in die Kabine eingedrungen sein und alle Anwesenden außer seiner Tochter hinausgescheucht haben. Danach soll er mehrere Schüsse auf sie abgefeuert haben.
Nach den ersten Schüssen begann der Veranstalter, die zu der Zeit noch etwa 600 Zuschauer in Sicherheit zu bringen. Alarmierte Polizisten räumten dann die Halle. Sie konnten auch den Täter überwältigen und seine Waffe sicherstellen.
Klasse bis 62 Kilogramm
In Berlin wollte sie sich den IBF-Weltmeistertitel in der Klasse bis 62 Kilogramm erkämpfen, hatte vor dem Kampf aber gerätselt, wie sie ihre längere Pause verkraften würde. Vor einem Jahr hatte die gebürtige Libanesin mit deutschem Pass die WM-Titel der WIBF und WIBA gewonnen. Auf ihren WIBF-Gürtel hat sie mittlerweile nach Streitigkeiten mit dem Verband verzichtet. Ende Juni wollte sie in Neu-Ulm ihren WIBA-Titel verteidigen. Ihre Bilanz ist eindrucksvoll: Elf Kämpfe, elf Siege. Doch der Sport war gestern Nebensache. (AZ, dpa)