Lärm nervt, Lärm ärgert viele Bürger, Lärm kann sogar krankmachen – deshalb hat der Bauausschuss des Ulmer Gemeinderats nun einem kommunalen Lärmschutzprogramm mit einem Investitionsvolumen von sechs Millionen Euro, verteilt auf zehn Jahre, zugestimmt.
Bereits vor zweieinhalb Jahren hatten die Räte beschlossen, einen Lärmaktionsplan aufzustellen, um Wege gegen den Krach in der Stadt einzuschlagen. Dabei handelte es sich allerdings um einen reinen „Strategieplan“ – das heißt, die Stadt ist rechtlich nicht verpflichtet, die darin enthaltenen Maßnahmen umzusetzen.
Eine Versuchsstrecke für Flüsterasphalt bei Mähringen, ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen auf der B10 zwischen A7 und A8 sowie erste Vorplanungen für den Umbau der Karlstraße – mehr war bislang nicht drin. Das soll sich jetzt ändern.
Die Werte, bei denen die Stadt aktiv eingreifen will, wurden von 70 auf 65 Dezibel am Tag und von 60 auf 55 Dezibel in der Nacht heruntergesetzt. Dadurch steigt die Zahl der durch Lärm betroffenen Personen in Ulm deutlich an – von etwa 1800 auf 6200.
Zur Info: Eine Lautstärke von 50 Dezibel entspricht etwa dem Geräusch von Regen, 70 Dezibel laut ist ein Rasenmäher, 80 Dezibel ein Presslufthammer.
Neben den bislang bereits im Aktionsplan festgestellten Lärmbrennpunkten Bismarckring, Zinglerstraße, Karlstraße und König-Wilhelm-Straße sind nun noch Am Bleicher Hag, die Söflinger Straße und die Wagnerstraße dazugekommen.
Was tun? Die einfachste und billigste Maßnahme aus Sicht der Stadt lautet „Langsamer fahren“. So soll in der Karlstraße, in der König-Wilhelm-Straße und in der Zinglerstraße nachts Tempo 30 eingeführt werden – vorausgesetzt, das Regierungspräsidium Tübingen stimmt dem zu.
In besonders eng bebauten Straßen, in denen keine Lärmschutzwände errichtet werden können, sollen in den Gebäuden Lärmschutzfenster eingebaut werden.
Lärmschutzwände sind beispielsweise an der B10, an der Illerstraße, am Kurt-Schumacher-Ring und an der B30 in Wiblingen vorgesehen.
Ein Lärm mindernder Straßenbelag („Flüsterasphalt“) ist in der Karlstraße und in der Zinglerstraße geplant.
Bei dem Aktionsplan handelt es sich zunächst um einen Grundsatzbeschluss – wann welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, wird jeweils bei den Haushaltsberatungen beschlossen. Dorothee Kühne (SPD) appellierte an alle Räte, das Geld auf jeden Fall zur Verfügung zu stellen – „alles andere wäre völlig unglaubwürdig“. Gerhard Bühler (FWG) nannte den Beschluss einen „weiten Schritt nach vorne“. Herbert Dörfler (CDU) forderte: „Nächstes Jahr muss mit den ersten Maßnahmen begonnen werden.“ Baubürgermeister Alexander Wetzig sah in dem Beschluss des Ausschusses einen „Paradigmenwechsel“ in der Stadtpolitik. Er entwarf sogar die Vision einer „langsameren Stadt Ulm“, in der irgendwann Tempo 30 nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sein wird.