Von Oliver Helmstädter
Ulm Ulm verändert sein Gesicht im „Hinterhof“ der Fußgängerzone Bahnhofstraße. Einstimmig vergab der Ulmer Stadtrat gestern Abend noch kurz vor dem Anpfiff des Fußball Champions-League Halbfinals den Auftrag für die Entwicklung des Einkaufsviertels Sedelhöfe an die Firma MAB Development. Diese hatte in Zusammenarbeit mit einem Berliner Architektenbüro („Gruentuch Ernst“) den erstplatzierten Beitrag einer europaweiten Ausschreibung eingereicht. Die Pläne sehen insgesamt 18000 Quadratmeter Verkaufsfläche für den Einzelhandel vor, doch auch Platz für Wohnungen mit Dachgärten ist großzügig eingeplant.
Durch die Bank lobten alle Fraktionen und die Stadtspitze, dass kein steriler Kommerztempel, keine Einkaufsmaschine (O-Ton Wetzig) sondern ein lebendiges Stück Stadt geschaffen werde. „Nicht das, was wir von Einkaufszentren wie dem Blautalcenter kennen“, erwartet Baubürgermeister Alexander Wetzig, sondern „öffentliche Räume und Wege unter blauem Himmel.“ Dr. Thomas Kienle, Fraktionssprecher der CDU sieht mit den Sedelhöfen „ein Stück Zukunftsfähigkeit“ für den Handelsplatz Ulm entstehen.
Wie gestern Abend mehrfach betont wurde, werde das Projekt Investitionen von insgesamt 130 Millionen Euro nach sich ziehen. Für die Stadt gestalte sich das nach Überzeugung von Wetzig „bedeutsame Stück Stadtentwicklung“ haushaltsneutral, da Ulm die eigenen Flächen dem Investor zur Verfügung stellt.
Der gestern erteilte Zuschlag ist das Ergebnis eines Prozesses, der am 5. August 2010 mit der Veröffentlichung einer EU-Ausschreibung begann. Eine Beteiligung der Öffentlichkeit – wie etwa beim Thema Citybahnhof – war hier aufgrund der strengen Regeln dieser Art der Projektrealisierung ausgeschlossen.
Einig sind sich die Stadträte dennoch das Ulms vernachlässigtes Quartier rund um die Sedelhofgasse von einem Meister seines Faches aufgemöbelt wird: Die Firma MAB zeichnete etwa verantwortlich für das spektakuläre Shoppingcenter „MyZeil“ in Frankfurt. „Wir können aber auch kleiner“, sagte gestern Michael Flesch, der Geschäftsführer der MAB Development Deutschland und zeigte prompt den Gemeinderäte preisgekrönte Refernezen vergleichbarer Größe. „Maßanzüge“ für den Städtebau seien die Spezialitäten seiner Firma, die im Besitz der Radobank ist. Und das ist eine genossenschaftlich organisierte Bank wie etwa die deutschen Volksbanken – was den Stadträten ebenso gefiel wie geplante Eröffnung bereits im Frühjahr 2016.