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Pocketklassiker: Shakespeare im Alleingang

Pocketklassiker

Shakespeare im Alleingang

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    Minimalistische Ausstattung, enorme Wandlungsfähigkeit: Bernd Lafrenz im Alleingang bei „Der Widerspenstigen Zähmung“.
    Minimalistische Ausstattung, enorme Wandlungsfähigkeit: Bernd Lafrenz im Alleingang bei „Der Widerspenstigen Zähmung“. Foto: Dagmar Hub

    Neu-Ulm Wirkliches Pocket-Format hatte der zweite Abend des ersten Pocketklassiker-Festivals im Neu-Ulmer Augus-Theater nicht: Gut 90 Minuten stellen für eine Ein-Mann-Produktion durchaus eine gewisse Länge dar.

    Ins Pocket-Format passte Bernd Lafrenz’ Shakespeare-Version „Der Widerspenstigen Zähmung“ vor allem durch die minimalistische Besetzung und Ausstattung: Sämtliche Rollen, beinahe ein Dutzend, gespielt vom Alleinunterhalter-Chamäleon Lafrenz, der die Komödie auf diese Weise zwar straffte und speziell auf die Erziehung der ungehorsamen Frau durch den Ehemann hin interpretierte, sie in ihrer turbulenten Derbheit aber eben doch ganz Shakespeare sein ließ.

    Bei Lafrenz ist es allerdings der Kesselflicker Sly, der seiner Angebeteten, der Bardame Jenny, die Geschichte von den beiden so ungleichen Schwester Bianca und Katharina erzählt, die ihr Vater beide verheiraten möchte. Natürlich kommt die sanftmütige Bianca erst unter die Haube, wenn die biestige Katharina einen Mann hat – und den zu finden ist auch bei Shakespeare nicht leicht. Bis sich Petrucchio mit derbem Wortwitz an Katharina heranwagt und den Stier bei den Hörnern packt. Zwischen deutschen Textteilen schwenkte Lafrenz ins Italienische um, wob Silvio Berlusconi in die mit viel Gestik, Mimik und wechselnder Intonation ausgespielten Szenen ein.

    Aber etwas fehlte dann doch an dem nicht ganz ausverkauften zweiten Abend des Festivals: Bernd Lafrenz ist ein brillanter Alleinunterhalter. Ein Mensch allein aber kann die Beziehungen der Figuren im Stück zueinander räumlich wie atmosphärisch nicht wirklich auf die Bühne bringen, kann Reaktionen nicht darstellen.

    Schnell wirkt da Gestik auch übersteigert und zugespitzt, die Reduzierung auf eine Person allein wird zum Lacher fürs Publikum. Das allerdings hatte während „Der Widerspenstigen Zähmung“ reichlich zu tun, denn Bernd Lafrenz bezog seine Zuschauer ins Stück ein, ließ sie die Geräuschkulisse im morgendlich-verschlafenen Padua skandieren und brachte Shakespeare quasi interaktiv auf die Bühne – Beteiligung am Spiel liebte schon das Publikum zu Shakespeares Zeiten. (köd)

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