Ulm Siyou 'n' Hell ist kein Schaufenster zur Hölle, sondern das neue Projekt von Bassmeister Hellmut Hattler und Gospelqueen Siyou Isabelle: als Duo eine prickelnde Extraklasse, mit Band bewundernswert bis zur feurigen Soulparty - ein Ulmer Zelt aus dem Häuschen. Von Roland Mayer

Aus einem Schnupperkurs beim letztjährigen Benefizkonzert im Ulmer Roxy wird ein erstes Album, entsteht eine Tournee, die am 26. August im Wiblinger Klosterhof mündet. Hattler, die Kraan-Legende, der Tab-Two-Motor, der Rockmusiker, der es immer wieder geschafft hat, sich über Hip-Jazz mit neuen Sounds und jungen Musikern international zu behaupten, hat in der großen Soulstimme von Siyou, die sich mit leiseren Tönen mittlerweile auch im Ulmer Gemeinderat Gehör verschafft, eine neue Verwirklichung gefunden.
Mit unterschiedlichen musikalischen Wurzeln treffen sich die beiden hochgewachsenen Künstler im Feeling. Im Ulmer Zelt ist eine prickelnde musikalische Romanze zu erleben.
Mit erdfarbenem Haarband, schwarz-weiß quer gestreiftem Shirt und ungezwungenem Lächeln wirkt Siyou als entspannte Powerfigur einer African Queen. Stimme und Bass, die unmöglich scheinende Kombination, wird im dreiviertelstündigen Set zur Offenbarung durch die Blue Notes und die Rockgeschichte, die Hattler bekanntlich selbst mitbestimmt hat. Sein Bassspiel ist das hoch konzentrierte, rhythmisch vibrierende Kraftpaket fürs Duospiel, das unter die Haut geht. "Baby Love", im letzten Jahr vom Mother's-Finest-Donner noch im Ohr, kommt mit knisternden Reizen durch die Boxen. Im glutvollen Finish der Songs geht Hattler mehrmals mit Himmelblick zu seiner Voice in die Knie. Ihre hymnisch-knackige Version von "Lean on me" (Withers) jagt im Zelt die allerletzten Stressfaktoren in den Hades. Bei John und Pauls lang gezogenem, immer wieder variierten "Come Together" muss das begeisterte Publikum einfach in den "Over me"-Refrain einstimmen.
Was kommt nach der spontanen Mehrfachumarmung auf der Bühne? Mit Drummer Jürgen Schlachter, Percussionist Christoph Scherer und Keyboarder Joe Fessele eine dufte Band, die nach coolem Beginn als Latin-Flitzer auftrumpft und mit "Warm Embrace" einen hochklassigen Pop-Knaller des eigenen Albums ("Siyou 'n' Hell") aufzieht, der die Herzen im alten Viermaster endgültig zum Schmelzen bringt. Immer ein Löffel voll: Funky, Salsa, Coolsound, heiße Stimme und knirschender Bassflitzer. "Seid ihr bereit für eine Soul-Party?"
Klar doch. Die platzt, mit dem verstärkenden Flair zweier Background-Gaststimmen, zur Würze des Dreingabensets wie der Blitz aus heiterem Zelt-Himmel.
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