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Amtsgericht Neu-Ulm: Staatsanwältin zeigt Torjäger die Rote Karte

Amtsgericht Neu-Ulm

Staatsanwältin zeigt Torjäger die Rote Karte

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    Die rote Karte.
    Die rote Karte.

    Neu-Ulm Mit einem „glasklaren Freispruch“ für die Angeklagte endete gestern der Prozess um die verschwundene Mannschaftskasse eines Fußballvereins. Für einen Zeugen wird die gestrige Partie vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht aber ein Nachspiel haben: Staatsanwältin Oelbermann zeigte dem im hiesigen Bezirk nicht ganz unbekannten Torjäger eine „Rote Karte“ – wegen des Verdachts der Falschaussage. Nach Lage der Dinge wird die Anklagebehörde eine Nachholpartie vor Gericht gegen den 30 Jahre alten Kicker anberaumen, in dem ihm dann ein juristisches „Gelb-Rot“ blüht, wie die Staatsanwältin andeutete.

    Auf der Anklagebank saß eine alleinerziehende Verkäuferin, die einst mit dem verwarnten Torjäger verbandelt war. Der Kicker, Kapitän eines Bezirksligisten, war im Herbst 2009 vom Trainer damit beauftragt worden, von seinen Teamkollegen Geld für ein Wintertrainingslager in Italien einzusammeln. Das tat der Mann auch, doch als eine Anzahlung für das Trainingscamp fällig wurde, gab es plötzlich Probleme. Mehrfach wurde der Trainer vom Hotelmanager in Italien aufgefordert, endlich Geld zu überweisen.

    Wie sich herausstellte, hatte der Kassierer und Kapitän die rund 4000 Euro sozusagen zweckentfremdet und damit seine Schulden bezahlt, die er bei zwei „Russen“ hatte. Mit diesen Gläubigern, so der Anschein, war offenbar nicht gut Kirschen essen. Wie die angeklagte Frau sagte, hätte es bei Nicht-Bezahlen Prügel für ihren damaligen Partner gesetzt.

    Blind vor Liebe und von den engelszungengleichen Redekünsten ihres Freundes beeindruckt, willigte die Frau ein, dem Mann zum wiederholten Male aus der Patsche zu helfen. Auf immer hartnäckigere Fragen der Vereinsführung, wo denn das Geld für das Trainingslager geblieben sei, sagte die Frau, es sei auf ihr Konto überwiesen worden. Allerdings verhindere eine kurz zuvor angeordnete Lohnpfändung einen Zugriff. Tatsache war aber, dass sie von dem Geld auch nicht mal einen Euro gesehen hatte.

    Um nicht ganz in die Röhre schauen zu müssen, schoss der Trainer die Anzahlung für das Trainingslager vor – stets im Vertrauen auf das Wort seines Spielführers vertrauend, er werde alles schon richten.

    Allerdings begann es da schon in der Mannschaft gewaltig zu gären. Die Spieler weigerten sich, weiterhin mit ihrem Kapitän aufzulaufen. „Die hätten ihn am liebsten gelyncht“, schilderte der Trainer Richterin Gabriele Buck die Stimmung im Verein. Die Folge war, dass der Kapitän suspendiert wurde.

    Offenbar war diese finanzielle Ungereimtheit nicht die Erste ihrer Art im Leben des Fußballers, der es mit der Hände Arbeit wohl nicht so hat. „Natürlich habe ich finanzielle Probleme“, beschied der gelernte Elektroinstallateur Verteidiger Tobias Rülke. Der chronische Geldmangel dürfte zum einen von dem Umstand herrühren, dass der Mann nur sporadisch einer Arbeit nachgeht, zum anderen von seiner „hochgradigen Spielsucht“, wie seine Ex-Freundin vermutet. Fakt ist, dass sie während ihrer Beziehung mehrfach seine Rechnungen zahlte und ihm Bares zukommen ließ. Auch beim Trainer und einem ehemaligen Mitspieler steht der Kicker angeblich in der Kreide.

    Staatsanwältin und Richterin waren übereinstimmend der Meinung, dass die Angeklagte die Wahrheit sagt, wonach sie die 4000 Euro niemals gesehen habe und mit der Geschichte von der Kontopfändung dem Mann einen falsch verstandenen Liebesdienst erwiesen habe, den sie mittlerweile bereue. Der geschasste Mannschaftskapitän dagegen sei als Zeuge nicht glaubwürdig. „Er erzählt viel, wenn der Tag lang ist.“ (kr)

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