Neu-Ulm Die Stadt Neu-Ulm will beim Klimaschutz vorankommen. Viele Anträge von Stadträten sind in den vergangenen Jahren bei der Verwaltung zum Thema erneuerbare Energien eingegangen. Die Räte wollten unter anderem wissen, wie Windkraft und Erdwärme in Neu-Ulm genutzt werden könnten oder welche Konzepte es zur dezentralen Energieversorgung gibt.
Anstatt viele kleine Lösungen zu finden, wollen Oberbürgermeister Gerold Noerenberg und seine Mitarbeiter die Anträge nun bündeln und in eine Gesamtstrategie einbinden. Gelingen soll das durch die Teilnahme am „European Energy Award“ (eea). Bei diesem internationalen Energie-Management-Programm, dass in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Hochbau und Umwelt vorgestellt wurde, werden die Aktivitäten, die zu mehr Klimaschutz führen sollen, immer wieder unter die Lupe genommen und verbessert. Das Ziel ist eine wirkungsvollere Energiepolitik.
Los geht es mit einer Analyse, in der festgestellt wird, wo die Kommune in Sachen Klimaschutz steht. Dann wird ein sogenanntes Energieteam gebildet, in dem beispielsweise Stadtwerke, Verkehrsverbund und Bürger vertreten sind.
Gemeinsam mit einem lokalen eea-Berater sucht das Team Energiesparmöglichkeiten, die noch nicht ausgeschöpft sind und plant konkrete Projekte. Das kann zum Beispiel der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder der Bau von neuen Biogas- oder Solaranlagen sein.
Kommunen bekommen ein Zertifikat
Je nachdem, wie erfolgreich eine Kommune ist, werden dann mehr oder weniger Punkte vergeben, die Kommune bekommt ein Zertifikat und kann sich mit anderen teilnehmenden Städten und Gemeinden messen. Aber auch der Austausch mit anderen ist ein zentraler Punkt, um voneinander lernen zu können.
Roland Mäckle, Geschäftsführer der regionalen Energieagentur Ulm betonte bei seinem Fachvortrag: „Es geht nicht darum, irgendein Zertifikat zu erreichen, das wir uns dann an die Wand hängen können. Es geht um Erfahrungsaustausch, um die Frage: Was machen andere? Wie machen es andere?“
„Wir sind bereit diesen Weg zu gehen“, sagte CSU-Stadträtin Christa Wanke in der Ausschusssitzung. Alfred Schömig (FDP) forderte, dass die Politik im Energieteam vertreten sein müsse. Für Rainer Juchheim von den Grünen ist die Teilnahme an dem Award zwar eine gute Sache, andererseits habe der Stadtrat schon viele Nachhaltigkeits- und Umweltstrategien beschlossen, ohne dass diese zu nennenswerten Ergebnissen geführt hätten. „Ich hoffe, dass dieser eea uns mal dazu bringt, konkreter zu werden“, sagte Juchheim. Christina Richtmann (Freie Wähler) zeigte sich „positiv gestimmt, dass das Konzept etwas bringen wird“. Allerdings erscheine ihr manches noch theoretisch und unkonkret. Der Beschluss zur Teilnahme am eea fiel schließlich einstimmig aus.