Der letzte grüne Schimmer im Jahr
Nicht nur Katzen, Äpfel und Laub besingt die Poetin in ihren Versen, die öfters an Stillleben erinnern: "Den letzten grünen Schimmer ins Jahr" begleitet neben geknickten Halmen und bemoosten Äpfeln auch ein gekipptes Straßenschild, das "den Blick lenkt/Auf den feuchten milden Boden/Wo eine alte Plastikflasche/In die Mitte rückt".
So pendelt Christine Langers Empfindsamkeit über acht Kapitel von naturlyrischen Strophen zu klingenden Bekenntnissen des lyrischen Ichs, das auch Industriegebiete mit sanfter Beobachtungsgabe durchwandert: "Ein Fabrikschlot überragt/Die stillen Gebäude/Eine einzelne Fichte/Verdeckt den Mond/Die Sichel aus dem Traum/Den Jüngling der ein Mädchen liebt".
Christine Langers Prosalyrik gibt sich unversponnen reklamescheu und hochpoetisch in ihren Reflexionsschüben: "Findelgesichter", vom Titelgedicht her "Blinkende Muschelphantasie fürs Kinderauge", ist dem Erwachsenen ein gefühlvolles Büchlein fürs Kopfkino.
Gedichtband Findelgesichter, Christine Langer, Klöpfer & Meyer, 110 Seiten, 16 Euro.