Ulm Die Metall- und Elektroindustrie ist gut ins neue Jahr gestartet und hat die Fahrt vom vergangenen Jahr halten können. „Wir werden verglichen mit 2011 bei der Produktion kaum noch weitere Zuwächse haben“, sagt Götz Maier, Geschäftsführer von Südwestmetall Ulm. Das heiße, dass sich die Ertragssituation der Betriebe verschlechtern werde. „Wir müssen deshalb Beschäftigung sichern und Nachwuchs gewinnen“, fügt Maier hinzu. Die von den Gewerkschaften heftig kritisierte Leiharbeit – von Südwestmetall lieber Zeitarbeit genannt – müsse als flexibles Arbeitszeitmodell erhalten bleiben.
Die Preise für Material und Energie werden auch in 2012 für die Unternehmen steigen, dies müsse die Metall- und Elektroindustrie befürchten, so der Südwestmetall-Ge-schäftsführer. Wachstum in den Betrieben sei in diesem Jahr zudem schwer zu realisieren. „Die Produktivität wird keine großen Sprünge machen“ sagt Maier. Die Erzeuger-preise könne die Industrie nach Meinung der Mitgliedsunternehmen ihren Kunden weniger gut in Rechnung stellen.
Im Hinblick auf die im Frühjahr anstehenden Tarifverhandlungen setzt Maier auf das bewährte Augenmaß der Tarifparteien. „Wir müssen alle miteinander erreichen, dass die Betriebe in einem wechselhaften und unsicheren wirtschaftlichen Umfeld krisen- und zukunftssicherer sind“, sagt Maier. Die Betriebe müssten auf den Weltmärkten weiterhin präsent und stark bleiben, denn genau dieser Punkt habe die Unternehmen auch durch die letzte Krise getragen.
Die Metall- und Elektroindustrie habe sich auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen zwei Jahren als Beschäftigungsmotor erwiesen, der die Krise von 2008 abgeschüttelt und wieder die Zahl der Mitarbeiter aufgebaut habe. „Diese Erfolge waren nur möglich dank einer produktivitätsorientierten und differenzierten Tarifpolitik sowie wichtiger Reformen für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt“, sagt Maier.
Dieser „erfolgreiche Weg“ müsse weiter beschritten werden, um auch in Zukunft die Beschäftigung hoch und die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten. „Es braucht einen ausgewogenen Beschäftigungsmix, um gerade auch Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen den Einstieg in Arbeit zu ermöglichen“, sagt Maier, dazu gehöre auch die Zeitarbeit. „Wenn es in den Betrieben in einem immer volatileren Umfeld künftig weniger sogenannte externe Flexibilität durch Zeitarbeit gäbe, wäre ungefähr ein Fünftel unserer Arbeitsplätze bedroht“, so Maier. Eine Vorgabe sei bei den Betrieben auch in Sachen Ausbildung kontraproduktiv. „Bisher haben viele Firmen über ihren eigenen Bedarf ausgebildet“, sagt Maier. Und haben dann nach der Ausbildung auch geschaut, ob sie diese zusätzlichen Auszubildenden dennoch übernehmen, schließlich investiere man nicht drei Jahre lang in einen jungen Menschen, um ihn dann wegzuschicken. „Wir sollten uns als Tarifparteien lieber noch mehr darum kümmern, wie wir jenen 20 Prozent der Bewerber mit schulischen Defiziten helfen können, den Weg ins Arbeitsleben zu finden“, fügt er hinzu, hierbei könnten noch viele junge Menschen für den Arbeitsmarkt gewonnen werden. (az)