Roggenburg Der kleine Elias ist fünf. "Ich bin ein Jaguar", sagt er stolz und duckt sich in einer großen Holzschale zum Sprung ins Leben. Paul und Florian sind ebenfalls fünf. Sie spielen versonnen mit Xylofon und Spieluhr und "sind einfach nur glücklich", wie ihre Mütter versichern. Die drei Glücklichen wären ganz normale Kinder - wenn sie nicht an "lebenslimitierenden Krankheiten" leiden würden, für die es bis heute keine Heilung gibt.



Zusammen mit ihren Eltern und ihren gesunden Geschwistern, sowie dreizehn anderen, an unheilbaren Stoffwechsel-, Muskel- oder genetischen Erkrankungen leidenden Kindern und deren Familien aus Deutschland und der Region verbringen sie eine viertägige "Auszeit" im Kloster Roggenburg. Eingeladen wurden sie ins Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur im Kloster Roggenburg vom Kinderhospiz St. Nikolaus (Bad Grönenbach) und von der Deutschen Kinderhospiz-Akadamie. Auch die Eltern bereits verstorbener Kinder sind hier.
"Was Kinder und Eltern hier erleben, das sind Sternschnuppen am Himmel der Hoffnung. Die Eltern wissen, dass sie mit den Kindern, wenn nicht ein Wunder geschieht oder der medizinische Fortschritt Heilung ermöglicht, nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung haben. Was bleibt, ist immer die Hoffnung und die Zeit, in der die Kinder leben", sagen Sylvia-Maria Braunwarth, Kinderhospiz St. Nikolaus und Hubertus Sieler von der Deutschen Kinderhospiz-Akademie. "Miteinander zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen, Erfahrenes um die kranken und gesunden Gäste teilen, das ist der Sinn dieser gemeinsamen Tage und Nächte in Roggenburg. Die Zeit hier geht weit über eine normale Vakanz hinaus" wissen sie.
Eltern und Kinder können sich während der vier Tage eine "Auszeit" nehmen. Für jedes erkrankte Kind sorgt eine ehrenamtliche Betreuerin oder ein Betreuer, damit die Eltern in Gesprächen mit Gleichbetroffenen Kraft schöpfen "und ihre Balance wieder finden können", wie ein Vater in einer Gesprächsrunde bemerkt. Zwölf der dreizehn Familien sind schon zum wiederholten Mal in Roggenburg zusammen. Auch "verwaiste Eltern" sind dabei. Ihre Kinder sind verstorben und nun finden sie im Gesprächskreis mit den Betroffenen Rückhalt für die Zukunft. Kraft für diese Zukunft haben sie in "gemeinsamer, vorauseilender Trauerarbeit" schöpfen können.
Für die gesunden Geschwister der kranken Kinder gibt es außer den Spielmöglichkeiten im malerischen Klosterambiente unter anderem die Möglichkeit, mit Umweltreferentin Dörthe Fischer vom Familienzentrum bei "Öko-Erlebnistagen" auf eine Abenteuerreise in die Natur zu gehen oder sich mit Therapeutin Ulrike Roßner vom Kinderhospiz St. Nikolaus beim Break-Dance oder bei Gemeinschaftstänzen auszutoben.
Die Bildhauer und Kunsttherapeuten Catherina und Dieter Wagner stellten mit den erkrankten Kindern Mobiles aus Naturmaterialien her, während der Erlebnispädagoge Stefan Rues mit ihnen Lichtobjekte aus Weidengeflecht bastelte. Neben den Gesprächskreisen, die auch am abendlichen Lagerfeuer stattfanden, konnten die Eltern mit der Künstlerin Barbara Müller-Pollack und verschiedenen Materialien "eine Reise durch das eigene Leben" kreieren oder mit dem Diplom-Psychologen Jochen Künzel unter dem Motto "Raus aus dem Hamsterrad" Erfahrungen über den Alltag und dessen Veränderungen austauschen. Psychotherapeutin Rendel Varwick-Eisenmann war Trauerbegleiterin für die Eltern verstorbener Kinder.
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