Der Umbau der Ludwigstraße in Neu-Ulm sei ein „ganz wichtiger Meilenstein“, sagte Oberbürgermeister Gerold Noerenberg in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses und erntete dafür übereinstimmendes Kopfnicken. Ein mindestens ebenso großer Meilenstein wäre nach Auffassung mancher Räte auch der Bau einer Straßenbahnlinie.
Eigentlich schlummerte das Thema schon lange in einer fest verschlossenen Schublade. Doch an dieser rüttelte nun Christa Wanke (FDP). Sie sprach von „tosendem Verkehr“ in der Ludwigstraße, von „Chaos“ an der Kreuzung zur Kasernstraße und von „Zweite-Reihe-Parkern“. Zudem sei es ja nicht unbedingt schön, wenn 600 bis 700 Busse am Tag durchbrausen, wenn Bürger irgendwann einmal ihren Café auf dem extrabreiten Gehweg trinken sollen. Ihr passe da schon eher eine Straßenbahn ins Bild. Wie es denn damit aussehen, wollte sie wissen. Neu-Ulms Stadtbaudirektor Markus Krämer, sah wohl eine größere Diskussion entfachen und versuchte, dem Thema sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Eine Straßenbahn ist absolut kein Thema.“ Und vor 2020 – dann wird mit dem Bau der Ludwigstraße begonnen – würden sowieso keine Schienen eingebaut. Er persönlich findet zwar, das eine Tram die Stadt attraktiv machen und den Öffentlichen Nahverkehr stärken würde, aber in der Sitzung wollte er das Thema nicht vertiefen. Und das klappte auch kurz ganz gut. Von den immer stärker werdenden Alternativen zur Straßenbahn, von Elektro-Bussen, die offenbar ab 2018 in Serie gehen und dann mucksmäuschenstill durch die Straßen fahren und von den über 1,5 Millionen Kosten des Umbaus der Ludwigstraße.
Bis sich ein weiterer Stadtrat zu Wort meldete. Karl-Martin Wöhner (SPD) sah sich schon sitzen in der schmucken Neu-Ulmer Straßenbahn. Er verstehe nicht, warum Ulm Straßenbahnlinien planen kann, dabei auch die Stadt Neu-Ulm berücksichtige, die selbst sehr defensiv mit dem Thema umgehe. Vor einigen Jahren waren die Tram-Pläne bereits rech konkret. Ulm und Neu-Ulm planten bereits an einer Straßenbahn vom Eselsberg nach Ludwigsfeld – 37 Millionen Euro sollte das Projekt allein für die Stadt Neu-Ulm kosten (zwölf Millionen Euro hätte der Bund zugeschossen). Wie Stadtbaudirektor Krämer erzählt, war der Kostenaufwand etwas größer als der Volkswirtschaftliche Nutzen. Daraufhin wurde das Projekt im Jahr 2012 in die Schublade gelegt, Ulm baut stattdessen eine Linie vom Eselsberg zum Kuhberg.
Vor etwa eineinhalb Jahren sind einige Stadträte bereits wieder hellhörig geworden, als ein Mitarbeiter der Ulmer Stadtverwaltung über den Zustand der Donaubrücken referierte und bei der Herdbrücke erwähnte: „Wir haben geprüft, ob sie eine Straßenbahn aushalten würde und ja, es wäre möglich.“ Und erst vergangenes Jahr brachten Ulmer Gemeinderäte das Thema Straßenbahn ins Spiel – unter anderem erwähnte Oberbürgermeister Gunther Czisch seine Vision eines Ausbaus bis nach Wiblingen.
SPD-Rat Wöhner plädierte in der Stitzung dafür, dass wenn der Bau schon in weite Ferne rücke, dieser dann wenigstens nicht ganz aus den Augen verloren werde. Im Beschluss zur Ludwigstraße soll die Tram neben den Themen, die es noch vertieft zu untersuchen gilt, aufgenommen werden – da wären die Querungshilfen der Straße, die Bushaltestellensituation, die Bepflanzung, die Beleuchtung, der Radverkehr und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Stadtrat Hans Aicham-Bomhard (CSU) sprach von einer „unsäglichen Diskussion“, wenn man bedenkt, dass bald selbstfahrende Busse auf Neu-Ulms Straßen unterwegs sind. Die Räte, die sich in der Vergangenheit – vor allem im Oberbürgermeister-Wahlkampf 2014 – für den Bau der Straßenbahn über die Herdbrücke und nach Ludwigsfeld eingesetzt hatten, waren es auch diesmal, die zusammenhielten: Auch Alfred Schömig (FDP) schaltete sich ein. „Wir müssen uns die Möglichkeit offen lassen.“ Wöhners Antrag, die Straßenbahn in die Vorplanung zur Ludwigstraße aufzunehmen wurde letztlich mit 11:7 Stimmen abgelehnt.
Im Jahr 2019 beginnen die konkreten Planungen
Die Planung zur Ludwigstraße hingegen wurde einstimmig beschlossen. Nun würden Termine für eine Bürgerbeteiligung festgelegt. 2019 – wenn das 150-jährige Bestehen der Stadt gefeiert wird – werde in die konkreten Planungen für der Ludwigstraße eingestiegen, ehe 2020 mit dem Bau begonnen werden könnte. Eine Zusage gab es immerhin: Die Straßen werden so breit bleiben, dass der Bau von Schienen in ferner Zukunft möglich wäre.