Montag, 19. Februar 2018

24. Januar 2018 00:34 Uhr

Ausstellung

Traumbotschaften eines Malers

Mert Akbal zeigt beim Kunstverein Ulm Bilder, die ihn nachts heimsuchten. Hinter seiner Arbeit steckt eine besondere Theorie

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Zwischen Traumtieren: Mert Akbal mit einigen Bildern, die jetzt im Schuhhaussaal zu sehen sind. Tiere kommen oft in den Träumen des in Istanbul geborenen Künstlers vor.
Foto: Horst Hörger

In Kalendern, Ratgebern und auf Wandtattoos steht es geschrieben: Lebe deine Träume! Als ob man im Schlaf wirklich davon fantasieren würde, ein hübsches Café zu eröffnen, den Welthunger zu besiegen oder mit Familie und Hunden ans Meer zu ziehen. Unsere Träume sind tatsächlich wirr und rätselhaft – aber nicht unbedingt bedeutungslos. Darum lebt Mert Akbal nicht seine Träume, sondern malt sie. Unter dem Titel „Curious Dreams“ teilt der in Istanbul geborene Künstler seine Träume nun mit den Besuchern des Kunstvereins Ulm. Und liefert dazu noch Theorie dazu.

Akbal, Jahrgang 1980, studierte von 2000 bis 2005 an der Kunsthochschule in Saarbrücken Malerei, Performance und Medienkunst. Aber er ist nicht nur Künstler, sondern auch Wissenschaftler, und will als solcher den Geheimnissen des menschlichen Geistes auf die Spur kommen. Derzeit arbeitet er an seiner philosophischen Dissertation über den Zusammenhang von Träumen und Kunst. Akbals Theorie: Weil der Mensch zwar visuelle Signale empfangen, aber selbst – anders als etwa ein Tintenfisch – keine senden kann, träumt er. Und nutzt die Kunst als „Prothese“, um diese Erfahrungen zu verbildlichen.

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Das Gute an der Ausstellung ist: Sie braucht den theoretischen Überbau gar nicht. Denn für den Betrachter erfolgt der Zugang zu den im Schuhhaussaal zunächst über eine ästhetische und emotionale Ebene. Ganz im Sinne Akbals: „Ich versuche, nicht die Bilder aus dem Traum, sondern die Erfahrung aus dem Traum in die Kunst zu tragen.“ Gut erkennbar ist dies bei einer umfangreichen Serie, die aus Akbals gezeichneten Traumtagebuch-Einträgen entstanden ist.

Diese oft digital, manchmal illustratorisch und comichaft, immer öfter auch in einem pointilistischen Stil umgesetzten Arbeiten zeigen ganz verschiedene Motive: Da fahren Spielzeugautos über eine bizarre Achterbahnstrecke, ein einsames Zelt steht an einer Klippe, in einem Kochtopf schmoren Frösche. Ein Hobby-Psychologe würde jetzt vielleicht das Deuten anfangen, der Künstler tut es nicht. „Die Bedeutung ist zweitrangig“, sagt Akbar. „Ein Bild bedeutet für jeden etwas anderes.“

So vielfältig die Themen der Träume Akbars sind – Tiere tauchen immer wieder auf. Entsprechend groß ist auch der Raum, den sie in der Ausstellung einnehmen. Der Türke zeigt sie als isolierte Kreaturen vor weißem Grund, wie herausgeschnitten aus einer Wildnis- oder Zoo-Szenerie. Die genaue Wiedergabe dieser Geschöpfe, ihre fast zarte, aber nicht vermenschlichenende Darstellung zeigt: Mert Akbal ist nicht nur ein Theoretiker, sondern auch ein guter Maler.

„Curious Dreams“ läuft bis 11. Februar. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag/ Sonntag 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei.

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Ulm | Istanbul | Saarbrücken

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