Die Siedlung Ulmer Ried im Nordwesten Ludwigsfelds ist wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. In Reih und Glied stehen dort kleine, eingeschossige Häuschen mit Satteldächern nebeneinander. Ein Ort des bescheidenen bürgerlichen Lebens. Geht es nach dem Neu-Ulmer Stadtrat, soll die Siedlung ihren Charakter behalten: In seiner jüngsten Sitzung beschloss der Stadtentwicklungsausschuss, dass ein Bebauungsplan für das circa 5,7 Hektar große Gebiet erarbeitet werden soll. Dieser soll aber auch eine „geeignete städtebauliche Entwicklung“ nicht verhindern.
Dem Votum waren lange Diskussionen vorausgegangen, ausgelöst von einem Bauantrag für drei Reihenhäuser am südlichen Rand des Quartiers. Der wurde zurückgestellt, weil Grünen-Rätin Mechthild Destruelle, aber auch Vertreter anderer Fraktionen vor einer Genehmigung zuerst über eine Erhaltungssatzung oder einen Bebauungsplan sprechen wollten. Stadtbaudirektor Markus Krämer gab zu bedenken, dass vielen Familien 90 Quadratmetern Wohnfläche zu wenig seien. Zudem gebe es unter den 85 Häusern schon einige neue, etwas größere Gebäude, die sich gut einfügten. „Mit Zweigeschossigkeit kann jeder leben in der Siedlung“, so Krämer.
Im Rathaus bekannte dann Bernhard Maier, dass seine CSU-Fraktion eine „maßvolle Nachverdichtung“ für sinnvoll halte – aber auch den Charakter des Quartiers bewahren wolle. Dafür müsse man wohl etwas tun – der ohnehin geltende Paragraf 34 Baugesetzbuch sei dafür zu schwach. Dieser fordert zwar, dass sich ein Neubau „In die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“, bietet aber Schlupflöcher.
Das Mittel der Wahl ist also ein Bebauungsplan, dessen Erarbeitung vom Ausschuss einstimmig beschlossen wurde. Ulrich Seitz (SPD) betonte aber, dass es nicht darum gehe, „eine ehemalige SA-Siedlung zu schützen“. Das Ulmer Ried wurde ab Oktober 1938 als „Dankopfersiedlung“ der NS-Organisation erbaut. Von den Originalhäusern ist aber kaum noch etwas erhalten.
Über den Bauantrag für die Reihenhäuser entscheidet demnächst der Hochbauausschuss. (mgo)