Senden Mehrere Dutzend Schlüsselbunde hat Susanne Scheck in kleine Tütchen verpackt und in einer großen Plastiktüte verwahrt. Offenbar vermisst sie niemand. „Leider melden sich bei uns meistens die Leute, deren Schlüssel niemand abgegeben hat“, sagt sie, „aber manchmal können wir auch Leute glücklich machen“. Zwei Fahrräder hat die Frau, die seit August für Fundbüro, Empfang und Telefonzentrale im Sendener Rathaus zuständig ist, gerade erst in ihre Datei aufgenommen. Zuletzt ging eine verlorene Jacke ein.
Wem etwas Wichtiges abhandenkommt, dem bleibt nur die Hoffnung auf einen ehrlichen Finder. Und die scheinen gar nicht so selten zu sein. Denn beim Fundbüro der Stadt Senden wurden im vergangenen Jahr immerhin 171 Fundsachen abgegeben. Die häufigsten Gegenstände sind Schlüssel, Fahrräder und Geldbeutel. Letztere werden in den allermeisten Fällen zwar ohne Bargeld abgeliefert, dafür zeigen sich die Besitzer erleichtert, wenn wenigstens ihre Papiere noch da sind. Auch Regenschirme, Brillen und Handys werden regelmäßig vorbeigebracht.
Doch nicht nur banale Fundstücke finden den Weg ins Fundbüro. Immer wieder käme es auch vor, dass gefundene Eheringe vorbeigebracht würden, berichtet Scheck.
Werden die Fundsachen bei ihr abgegeben, hält sie Fundort, Datum und eine kurze Beschreibung des Gegenstands in einem Formular fest. Per Computer bekommen die Stücke Nummern. Dann werden sie sechs Monate lang in Kellerräumen und in einem Tresor gelagert – wenn der Besitzer sich nicht meldet. Rund 30 Fahrräder stehen im Keller des Hauses und warten auf ihre Abholung.
Melden sich Menschen, die etwas vermissen, werden auch kleine Details wichtig. Denn um zu prüfen, ob es sich auch wirklich um den Besitzer handelt, fragt Susanne Scheck etwa nach dem Aussehen und dem Zeitpunkt des Verlustes. Das ist der Grund, warum keine Fotos der Fundsachen veröffentlicht werden.
Zuweilen, berichtet Susanne Scheck, bringt auch die Polizei Fundsachen ins Rathaus. „Bei uns liegt manchmal einfach etwas im Briefkasten“, erzählt der stellvertretende Dienststellenleiter Thomas Merk. Die Beamten, die ihre Büros gleich nebenan haben, gleichen als gestohlen gemeldete Fahrräder mit dem Fundamt ab.
Gute Chancen bei Schmuck mit Gravur
Wer Schmuck verliert, weiß Susanne Scheck, hat die besten Chancen auf ein Wiedersehen, wenn das gute Stück eine Gravur trägt. Ungravierter Schmuck hingegen werde nur sehr selten abgegeben. Und auch dem Anrufer, dem sein Gebiss abhandengekommen war, konnte sie nicht weiterhelfen. Was nach sechs Monaten aber niemand abholt, wird meist entsorgt – oder aber an die Finder abgegeben, wenn diese ihre Kontaktdaten hinterlassen haben und das Fundstück haben möchten. Zurück bleiben in der Regel abgenutzte Gegenstände, auf die nach einem halben Jahr schließlich der Müllcontainer wartet.
VirtuellesFundbüro Wer etwas verloren hat, kann auch übers Internet suchen. Auf der Webseite www-stadt-senden.de findet sich ein virtuelles Fundbüro, in dem Fundstücke aufgelistet sind.