Sonntag, 20. August 2017

05. Mai 2017 00:35 Uhr

Ausstellung

Viel mehr als nur Luther

Im Donau-Schwäbischen Zentralmuseum läuft derzeit „Reformation im östlichen Europa“. Darin geht es um Glaubensflüchtlinge und den Kampf der Konfessionen Von Dagmar Hub

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Sind stolz auf die neue Ausstellung: Kurator Harald Roth (links) und DZM-Chef Christian Glass.
Foto: Dagmar Hub

Das östliche Mitteleuropa war im späten Mittelalters und in der frühen Neuzeit sehr empfänglich für die Ideen einer Reformierung der Kirche: Die Thesen der hussitischen Glaubensbewegung wirkten in Böhmen schon seit dem Tod des Theologen Jan Hus auf dem Scheiterhaufen am 6. Juli 1415 in Konstanz – und damit lange vor Luther. Eine Wanderausstellung des in Potsdam ansässigen Deutschen Kulturforums östliches Europa zeigt im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm nun, wie sich die Reformation im Osten ausbreitete und welche Wirkung sie bis heute hat.

Eine große Rolle bei der Ausbreitung der Reformation im Osten Europas hatten Städte und Gegenden, in denen Deutsch gesprochen wurde. Deutsch war die Sprache, in die Martin Luther die Bibel übersetzt hatte. Auf 30 Schautafeln, die sich mit der Reformation im östlichen Europa und detailliert mit den Schwerpunkten Siebenbürgen und der heutigen Slowakei befassen, kann sich der Besucher umfassend über die komplexen und regional sehr unterschiedlichen Ereignisse um Reformation und Gegenreformation informieren. Durch die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Christentums kam es im Osten Europas zu einer großen Vielfalt an gelebten Überzeugungen, andererseits zu Verfolgungen und – im Gebiet der heutigen Slowakei – zu einem über 200 Jahre fortgesetzten Religionskrieg, bis sich der Toleranzgedanke durchsetzen konnte.

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Die Wege protestantischer Glaubensflüchlinge sind nachvollziehbar dargestellt. Wie brutal die Gegenreformation ab 1576 mit Kaiser Rudolf II. vor allem in den habsburgischen Erblanden, die überwiegend protestantisch geworden waren, gegen die Zivilbevölkerung geführt wurde, zeigt das Beispiel von 41 protestantischen Lehrern und Pfarrern, die nicht wieder katholisch werden wollten und die 1673/74 als Galerensklaven verkauft wurden. 1731 mussten alle etwa 20000 protestantischen Einwohner des katholischen Fürstentums Salzburg nach einem Ausweisungsbeschluss ihre Heimat verlassen.

In Siebenbürgen führten das Nebeneinander und die Konkurrenz von Lutheranern, Reformieren, Unitariern, den Böhmischen Brüdern, von Katholiken und Ostkirche schon im 16. Jahrhundert zu einer Glaubensfreiheit mit immerhin vier anerkannten Konfessionen. Gläubigen der Ostkirche stand man nicht die gleichen Rechte zu. Andererseits zeigt die Ausstellung auch die blutigen Auseinandersetzungen auf, über die die verschiedenen Konfessionen in weiten Teilen Osteuropas gegeneinander kämpften.

Eine der Grundideen der Ausstellung ist es, sagt Kurator Harald Roth, den Blick zu erweitern: In Deutschland nehme man „meist nur Luther“ wahr, wenn es um Reformation geht – und nicht die Vielstimmigkeit der Reformation und ihre unterschiedlichen Strömungen gerade im 16. Jahrhundert. Für die Reformationsstadt Ulm trifft das weniger zu: Hier hat man im Reformationsgedenken gerade die Vielstimmigkeit der Glaubensüberzeugungen jener Zeit in den Mittelpunkt gerückt, die in Ulm existierte.

Die Ausstellung „Reformation im östlichen Europa“ ist bis zum 18. Juni zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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