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07. September 2010 19:45 Uhr

Viele Väter können sich Wickel-Monate nicht leisten

Neu-Ulm Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Dass an dem Sprichwort tatsächlich etwas dran sein könnte, fürchten scheinbar auch viele Männer im Landkreis - jedenfalls bilden sie, wenn es ums Thema Elternzeit geht, das Schlusslicht in ganz Schwaben. Während im Kreis Donau-Ries jeder dritte Vater eines im Jahr 2008 geborenen Kindes mindestens zwei Monate lang hauptberuflich Windeln wechselte und Fläschchen gab, tat das im Kreis Neu-Ulm nur jeder vierte Papa.

Zudem nähmen viele Väter gleich kurz nach der Geburt Elternzeit, wenn auch die Mutter noch Zuhause ist, sagt Birgit Wölfert, die Leiterin der Schwangerschaftsberatungsstelle Donum Vitae in Neu-Ulm. Die Bereitschaft, richtig ins Papa-Dasein einzusteigen, erlebe sie in ihrer Berufspraxis hingegen kaum. "Dabei würde es ja erst richtig spannend werden, wenn die Väter mal mit dem Kind alleine wären."

Zu dem Schritt, länger als zwei Monate Zuhause zu bleiben, fehlt den Männern aber nicht nur der Mut, sondern oftmals vor allem das Geld. Das sieht auch Eleonore Wolf von der Katholischen Schwangerschaftsberatung in Neu-Ulm so. "Die Väter verdienen in der Regel mehr, deshalb wird es finanziell eng, wenn die Familie über längere Zeit mit 67 Prozent des Einkommens auskommen muss." Denn als Elterngeld gibt es nur zwei Drittel des bisherigen Lohns.

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Und andere könnten sich den Vater-Alltag schlichtweg gar nicht leisten, so Wölfert: "Ein Vater, der 1200 Euro verdient, kann seine Familie mit zwei Dritteln davon nicht ernähren." Wenn die Frau also vor der Geburt des Kindes schon Hausfrau war, sei es naheliegend, dass sie auch weiterhin Zuhause bleibt. Andere Männer trauten sich aber auch aus Angst um ihren Arbeitsplatz nicht, in Elternzeit zu gehen, betont Wolf. "Viele haben unsichere Arbeitsplätze und befristete Verträge oder sind bei Zeitarbeitsfirmen." Auch dass viele Firmen in unserer Region in Kurzarbeit waren, könnte für das zögerliche Verhalten der Väter verantwortlich sein.

Wenn künftig mehr Väter ihre Kinder betreuen sollen, brauchen sie in den Augen der beiden Frauen vor allem eins: einen sicheren Arbeitsplatz. "Aber leider stimmen da die familienpolitischen Leitideen nicht mit der wirtschaftlichen Realität überein", bedauert Wölfert.

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