Wir schreiben das Jahr 1582. Die Szene auf einem mittelalterlichen Marktplatz ist entlarvend. Ein empörter Glaubensbruder spuckt dem Heiligen Norbert ins Gesicht, als dieser die sündige Lebensart mancher Klerusmitglieder öffentlich anprangert. „Er speit den widerlichen Schleim einer dreckiger Zunge ins Gesicht des heiligen Redners, lass dich darob nicht verwirren Norbert“, steht unter der Grafik des 20-teiligen Zyklus, der derzeit in einer Ausstellung zum Leben Norberts – des Gründers des Prämonstratenser Ordens – im Klostermuseum Roggenburg zu sehen ist.
Eine andere Grafik zeigt Norbert, wie er die Inspiration zu den Grundfesten seines kanonischen Ordens erhält: Ein Blitzschlag wirft den gräflichen Lebemenschen vom Pferd. Er überlebt und ändert sein Leben: Norbert legt die üppigen Kleider ab, bedeckt sich mit einem Mönchsgewand aus Schafwolle und Ziegenhaar. Das gefällt seinen höfischen Freunden gar nicht: Nur knapp entgeht er ihren Anschlägen. Selbst eine giftige Spinne im Becher kann ihm nichts anhaben. „Auf wunderbare Weise versöhnt er als bester Herold des christlichen Friedens die Feinde miteinander“, ist einer der Kupferstiche unterschrieben.
Andere Bilder zeigen, wie Norbert in Antwerpen gegen die Irrlehren des Tanchelms wettert, dessen Anhänger sich gottgleich verehren lassen. Zum Zeichen der Reinheit des Ordens überreicht ihm die Gottesmutter Maria das weiße Ordensgewand der Prämonstratenser. Er verteidigt es auch vor einem Dämon, von dem er verächtlich „weißer Hund“ genannt wird, bevor er ihn vertreibt. Dass er zum Erzbischof von Magdeburg berufen wird ist seiner gräflichen Mutter bereits bei seiner Geburt im Traum geweissagt worden. Barfuß und im Bettlergewand zieht er in die Residenz ein und umarmt den Torwächter, der ihn gewaltsam vertreiben will.
Kupferstiche der Gebrüder Kleiber aus dem Jahr 1779
All dies ist in der Ausstellung des Kupferstichzyklus „Vita S. Norberti“ der Augsburger Gebrüder Kleiber von 1779 dargestellt. Gerade über die Ostertage lohne sich ein Besuch, sagt Prior Rainer Rommens: „Es ist die Geschichte eines Visionärs, der im Sinne Christi für Wahrhaftigkeit eintrat.“
Die Bilder zeigen die mittelalterlichen Lebensumstände des Ordengründers Norbert. Der Zyklus stehe in einer Tradition, die sich nach seiner Heiligsprechung vor genau 430 Jahren rasch über ganz Europa verbreitet hat, sagt Pater Rainer Rommens. Die in Roggenburg gezeigten Kupferstiche tragen lateinische Handschriften des berühmten Weißenhorner Prämonstratenser Chorherrn und Heimatpoeten Pater Sebastian Sailer.