Senden In Senden gibt es – anders als in Großstädten – keine offene Drogenszene, also keinen festen Ort, an dem sich Konsumenten treffen. Das heißt aber nicht, dass es keine Drogenabhängigen gibt. Sie ziehen sich jedoch in private Räumlichkeiten zurück, um eine Stigmatisierung zu vermeiden, heißt es im Jahresbericht 2011 der Drogenberatungsstelle „Drob Inn“, mit dem sich am kommenden Dienstag die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses beschäftigen.
Genau dieses konspirative Verhalten stellt laut Diplom-Sozialpädagogin Diana Röger jedoch auch ein Problem dar, da der Gang zur Beratungsstelle durch die gesellschaftliche Ächtung erschwert wird. „Die Konsumenten werden verachtet, blöd angeguckt“, sagt sie. Trotzdem entschließen sich immer wieder Menschen jeden Alters, die Beratung in Anspruch zu nehmen. „Die Leute kommen durch Mundpropaganda“, berichtet Röger, die seit August 2011 eine 50-Prozent-Stelle in Senden besetzt.
Auch Angehörige von Betroffenen melden sich
Zu ihren Klienten gehören Jugendliche und Erwachsene, die aus eigenem Antrieb aus der Sucht herauskommen wollen oder Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, beispielsweise den Führerschein verloren haben. Viele Hilfesuchende seien im Substitutionsprogramm, berichtet Röger. Nicht selten meldeten sich auch Angehörige von Betroffenen, die nicht mehr wüssten, wie sie mit ihren Kindern, Partnern oder Geschwistern umgehen sollen, wenn diese Drogen nehmen. „Angehörige sollten noch leichter den Weg hier her finden. Das soll in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt der Arbeit sein“, betont Röger.
Die meisten Menschen, die zur Beratung gehen, konsumierten härtere Drogen wie Heroin. Ein starker Zuwachs sei jedoch bei den Cannabiskonsumenten zu verzeichnen, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. Früher mussten sich Betroffene aus Senden an die Beratungsstelle in Vöhringen wenden. Seit über einem halben Jahr gibt es „Drob Inn“ nun auch in Senden. Geöffnet ist immer mittwochs und donnerstags ganztägig und jeden zweiten Dienstag vormittags.
36 Rauschgiftdelikte weist die Statistik der Polizei Senden für das Jahr 2011 aus, in fünf Fällen geht es dabei um Heroin, in einem Fall um Kokain und in 30 Fällen um Haschisch oder Marihuana. Im ersten Quartal 2012 gab es bislang zehn Delikte, zwei Mal war dabei Heroin im Spiel. Über die tatsächliche Zahl von Drogenkonsumenten sagt die Statistik aber nur bedingt etwas aus. Denn wie Polizeichef Günter Gillich betont, handelt es sich bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz um ein „Kontrolldelikt“. Das heißt, um so mehr Personal die Polizei zur Verfügung hat, um zu kontrollieren, um so mehr Delikte werden aufgedeckt. Gillich betont, dass es „keinen direkten Kontakt“ zwischen der Drogenberatungsstelle und der Polizei gebe. „Wir bekommen nie einen Tipp von Drob Inn. Das darf auch nicht so sein“, sagt Gillich. Das Wichtigste sei ohnehin die Prävention.
Kontakt Das Drob Inn befindet sich in Senden im Rathaus (Seitenaufgang); Telefon 07307/939044. In Vöhringen ist die Beratungsstelle in der Illerstrase 2 zu finden; Telefon 07306/925334; Mobil: 0160/95419864.