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16. November 2009 05:56 Uhr

"Warum sollen wir uns mit Hitler beschäftigen?"

Ulm (AZ) - "Die Öffnung der Erinnerungskultur wird das DZOK in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen", kündigte Dr. Nicola Wenge, Leiterin des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg, bei der ersten Volkstrauertags-Gedenkfeier unter ihrer Leitung im ehemaligen KZ Oberer Kuhberg an.

"Warum sollen wir uns mit Hitler beschäftigen?"
Foto: ALFA

Dürfen Migranten an Erinnerunskultur teilhaben?

In ihrer Rede setzte sie sich mit der Frage auseinander, ob die Gesellschaft von Menschen, die nicht von Tätern, Opfern, Mitläufern oder Zuschauern deutscher Vergangenheit abstammen, Teilhabe an der Erinnerungskultur erwarten können, ob andererseits aber die Reduzierung der Erinnerungskultur allein als Aufgabe der Deutschen einen Ausschluss der Migranten bedeute. 80 Prozent der Hauptschüler in Ulm stammen aus Migrantenfamilien. Ihnen mangle es an Vertrauen, Teil dieser Gesellschaft zu sein, zog Dr. Nicola Wenge das Fazit aus einem Projekt, bei dem Jugendliche der Klasse 8a der Adalbert-Stifter-Schule im Vorfeld des Volkstrauertags mit Gedenkstättenpädagogin Annette Lein und Coaches Raps und Videos zur Gedenkfeier geschaffen hatten, die den Charakter der Veranstaltung prägten, weil sie den Jugendlichen einen emotionalen Zugang zum frühen Konzentrationslager vermittelt hatten.

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600 Männer waren während der 18 Monate der Existenz des Konzentrationslagers auf dem Oberen Kuhberg inhaftiert. Es hatte dazu gedient, einerseits den Widerstandswillen der andersdenkenden Inhaftierten zu brechen, andererseits die Bevölkerung einzuschüchtern.

"Warum sollen wir uns mit Hitler beschäftigen?", hatte der 13-jährige Caner vor dem Projekt gefragt. Nach den drei Tagen, in denen die Schülerinnen und Schüler sich intensiv und vor allem emotional mit der Situation der Gefangenen auseinander gesetzt hatten, äußerte Caner, das Projekt sei wichtig gewesen, weil es ihm die Wichtigkeit von Freiheit, Familie und sich Wehren vor Augen geführt habe.

Zur Gedenkfeier, nach der es erstmals KZ-Führungen auch in englischer, türkischer und spanischer Sprache gab, waren auch Ulmerinnen und Ulmer aus Migrantenfamilien gekommen.

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