Roggenburg Seit fast drei Jahrzehnten blühen die Mehlprimeln, alias Reiner und Dietmar Panitz, auf unseren Bühnen. Gemeinsame Auftritte mit Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt oder Gastauftritte bei Ottis Schlachthof haben sie bundesweit bekannt gemacht. In der ausverkauften Tenne des Hauses für Kunst und Kultur im Kloster Roggenburg zeigten sie, warum „Mehlprimeln“ nicht auszurotten sind.
Wenn sie blühen, ist die gefährliche Zeit für politische und nicht politische Allergiker gekommen. Bei ihrem Auftritt in Roggenburg musste manch einer niesen, der eigentlich nur lachen wollte. Die beiden humorigen Schwaben brachten den gesellschaftlichen Mist, der hinter vorgehaltener Hand verbreitet wird, mühelos auf einen augenzwinkernden Haufen. Dabei waren sie von so generationsübergreifender Fröhlichkeit, dass die begeisterte Bevölkerungspyramide in der Tenne schamlos und quietschvergnügt zusammenbrach.
Der besondere Kitt für die neue Liebe
Die Senioren waren das erste Opfer der beiden Erzkomödianten, die außer mit hintergründigem Mutterwitz auch noch mit virtuosem Instrumentenhandling an der Gitarre, der Harfe und dem Hackbrett ausgestattet sind. Künftig werde in jedem siebten Überraschungsei Viagra zu finden sein, behaupteten die beiden staubigen Brüder und diagnostizierten den „Eisprung für die Alten“. Mit hinterfotziger Zärtlichkeit sangen sie von der großen Zuneigung in Zeiten des Dosenpfandes, vom einsamen Elch, der in´s Ikea-Kissen weint, oder vom Hundekacktütchen, das zum Kitt für eine neue Liebe wird. Nach drei Zugaben nahm jeder noch einen Strauß unausrottbarer Mehlprimeln mit nach Hause. (mde)