Weißenhorn Der Stadtrat will bei der Mehrzweckhalle an der Realschule aufs Gaspedal drücken: Bis Ende September soll die Verwaltung einen Bauantrag bei der Regierung von Schwaben einreichen. Dies haben die Räte mit knapper Mehrheit von zwölf zu zehn Stimmen nun beschlossen – gegen eine Empfehlung von Bürgermeister Dr. Wolfgang Fendt. Er befürchtet einen zu knappen Zeitplan. Man könne wichtige Fragen rund um den Bau nicht angemessen erörtern: „Wir werden dann 30 Jahre lang jammern, weil hinten und vorne nichts funktioniert.“ Aus Sicht der Verwaltung hätte der Bau um ein Jahr verschoben werden sollen. Zudem entschieden sich die Räte dafür, einen Wettbewerb für Architekten auszuschreiben. Sie müssten ihre Vorschläge wohl recht zügig erarbeiten, bereits Anfang Juli soll der Auftrag vergeben werden.
Die Suche nach einem Architekten gestaltet sich wohl als recht aufwendig, sagte Stadtbaumeister Burkhard Günther. Immerhin werde das Honorar des Planers wohl über der magischen Grenze von 206000 Euro liegen. Damit müsste die Suche laut Gesetz in ganz Europa ausgeschrieben werden.
Flut von Bewerbungen aus ganz Europa erwartet
Günther rechnet mit einer Flut von Bewerbungen: „Da dürften mehrere Hundert zusammenkommen.“ Bei der Auswahl eines Bewerbers sei behutsam vorzugehen: „Die Entscheidungen werden immer öfter angefochten.“ Mit einem Wettbewerb für Architekten könne sich die Verwaltung aus der Affäre ziehen. Dafür gibt es zwei Ideen. Die Erste: Nach einer europaweiten Ausschreibung könnten Architekten aus ganz Europa ihr Interesse bekunden. Danach soll eine Jury einige Bewerber auswählen, die dann Pläne einreichen dürften. Am Ende müsste wohl das Los entscheiden.
Die zweite Idee: Der Wettbewerb könnte in ganz Europa ausgeschrieben, das Bewerberfeld aber laut Günther jedoch durch „kleine, aber legale Beschränkungen“ gestutzt werden. So müssten die Architekten die Unterlagen persönlich in der Fuggerstadt abholen: „Der Weg aus Portugal wäre dann wohl doch etwas unpraktisch.“ Danach würden die Bewerber zu einem Gespräch in der Stadthalle verpflichtet. Dies lasse den Kreis der interessierten Architekten wohl auf rund 150 schrumpfen, schätzt Stadtbaumeister Günther. Diese sollen dann ihre Pläne für die neue Mehrzweckhalle einreichen. Die Vorschläge würden von Verwaltungsmitarbeitern auf Herz und Nieren geprüft. Eine spannende Frage: Welcher Entwurf setzt die alte Villa auf dem ehemaligen Molfenter-Areal gestalterisch am Schönsten mit in Szene? Dort sollen ein Gasthaus und ein Biergarten entstehen. Rund 20 Arbeiten könnten wohl in die engere Wahl kommen, glaubt Günther. Eine Jury würde dann weiter auswählen.
Verwaltung schlug vor, die Halle erst im Jahr 2012 zu beantragen
Die Verwaltung schlug in der Sitzung vor, die Halle erst bis September 2012 zu beantragen, um nicht „vor lauter Eile einige Aspekte nicht richtig zu durchdenken“. Dies lehnten die Räte jedoch ab – sie wollen das Tempo erhöhen. Hermann Geiger (SPD) empfahl: „Man sollte alles versuchen, den Antrag bis Ende September vorzulegen.“ Dann habe man mit knappen Fristen zu kämpfen, erwiderte Bürgermeister Fendt. Die Vereine könnten nicht beteiligt werden: „Wenn der Stadtrat einmal eine Frage hat, die den Prozess verschiebt, dann ist die Sache gelaufen. Ich glaube nicht, dass wir das schaffen.“ Werner Weiss (WÜW) sagte, diese Bedenken überzeugten ihn nicht. „Die Vereine kann man innerhalb von zwei Wochen an einen Tisch holen.“ Franz Dirr (CSU) fragte, ob heuer genug Geld für den Bau vorhanden sei. Fendt antwortete, das Vorhaben sei finanziell machbar. Er deutete jedoch an, dass an anderen Stellen im Haushaltsplan der Rotstift angesetzt werden müsse. „Was ist, wenn wir morgen in den Schlössern etwas finden, das die Sanierung teurer macht?“
Die Räte beschlossen einstimmig, eine offene Ganztagesklasse für die Realschule zu beantragen. Dort sollen demnächst 20 Schüler betreut werden. Im aktuellen Haushaltsplan sollen dafür Gelder bereitgestellt werden. Über den gesamten Finanzplan wird der Stadtrat im März beraten. In den kommenden Tagen sollen sich nun die Weißenhorner Vereine zum Bau der Halle äußern.