Tag eins nach Bekanntwerden des Aus für die Produktion von Iveco-Lastern in Ulm. Viele der von Entlassung bedrohten Mitarbeiter tragen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Wir sind Iveco“. Auf dem Rücken ist die Silhouette des Münsters sowie „Stralis“ aufgedruckt, der Name des Brummimodells, das künftig in Madrid von den Bändern laufen wird. Auch heute herrschte bei den 670 Mitarbeitern der Produktion die totale Unsicherheit. Wie Unternehmenssprecher Manfred Kuchlmayr sagte, sei längst nicht festgelegt, wie im Detail das Aus für das Ulmer Werk umgesetzt wird. Und auch nicht wann. Nur so viel: „Jedenfalls nicht erst in zwei, drei Jahren“.
Traurig, dass ein Stück Industriegeschichte stirbt
Offen ist auch, wie viele der Beschäftigten in der Tochterfirma „Iveco Brandschutz“ unterkommen können. Klar ist: Während der Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen „aus allen Nähten platzt“, so Kuchlmayr, ist die Lastwagenproduktion nur zu 35 Prozent ausgelastet. Kündigungen werden aber genauso wie Übernahmen nicht ausgeschlossen, auch wenn „möglichst viele“ übernommen werden sollen. Das werde ein aufwendiger und langwieriger Prozess. Ziel sei es, den Abbau sozialverträglich zu gestalten.
Der Betriebsrat und die IG Metall sind in Anbetracht dieser Unternehmensveränderungen und der Folgen für die Beschäftigten skeptisch, ob und wie es gelingt, einen Ausgleich der Interessen zu erreichen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner zeigte sich gegenüber unserer Zeitung zwar traurig darüber, dass „ein Stück Ulmer Industriegeschichte“ ende, doch auch zuversichtlich, dass die Region den Rückschlag gut verkrafte. Der Standort Ulm sei Jahrzehnte nach dem Strukturwandel so breit aufgestellt, dass die Krise einer einzigen Firma längst nicht mehr an den Grundfesten rütteln könne.
Otto Sälzle, der Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, sieht keinen Zusammenhang zwischen der Iveco-Verlagerung und dem Wegfall von 1000 Stellen bei Evobus in Neu-Ulm und Mannheim. Denn während Iveco in Ulm schlichtweg nicht aus dem Tal der Tränen komme, habe Evobus gewissermaßen ein „Luxusproblem“, weil die Rendite zu niedrig sei. Der regionale Arbeitsmarkt werde beide Fälle in der Gesamtheit verkraften, ist Sälzle zuversichtlich. Wenngleich es im Fall von Iveco mit einem äußerst hohen Altersdurchschnitt der Beschäftigten soziale Härten geben könne. Nachqualifizierung sei daher ein wichtiger Punkt.