Nersingen/Berlin „Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden unter den über 600 Bewerbern für das Liebhaberorchester der Berliner Philharmoniker als Schlagzeuger eingeladen“. Dieser Satz auf einem Brief der Berliner Philharmoniker elektrisierte den 17-jährigen Nersinger Schlagwerker Leonard Weiss so sehr, dass ihn „vor Freude fast der Schlag getroffen hätte“, wie er lachend bemerkte. Die Einladung sprachen keine Geringeren als die weltberühmten Dirigenten Stanley Dodds und Sir Simon Rattle aus.
Unter deren Leitung probt Leonard Weiss zusammen mit dem „Liebhaberorchester der Berliner Philharmonie“ und wird am Pfingstmontag, 28. Mai, um 15 Uhr in der Berliner Philharmonie den Platz von Franz Schindlbeck, dem Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker einnehmen. Dort wird er rhythmischer Halt für 140 Musikerinnen und Musikern sein. Das Orchester wird den Ungarischen Tanz Nr. 1 von Brahms, Pomp and Circumstance Marsch Nr. 4 von Elgar, Griegs Norwegischen Tanz Nr. 2 A-Dur op. 35, Rossinis Tarantella aus La Boutique fantasque und Saint Saens Bacchanale aus Samson et Dalila intonieren. „Das ist unglaublich, ich kann das noch gar nicht fassen“, meinte Leonard Weiss bei der Abreise nach Berlin. Dass die Wahl der Jury auf den Nersinger Schlagzeuger fiel, kommt nicht von ungefähr.
Mit Höchstpunktzahl 25 belegte er bei den Bezirks- und Landesentscheiden des Wettbewerbes „Jugend musiziert“ den 1. Platz. Insgesamt ein Dreivierteljahr bereitete sich der siebzehnjährige Nersinger Ausnahmedrummer auf den Bundesentscheid vor. Dort fehlten ihm zwei Punkte zum Bundessieg. Mit 23 Punkten und einer Urkunde von Bundesfamilienministerin Christina Schröder errang er unter 2400 Gesamtteilnehmern in seiner Altersstufe die „Silbermedaille“, eine „Ausnahmeleistung, die man gar nicht hoch genug bewerten kann“, wie Professor Peter Slado von der Hochschule für Musik bestätigte.
Jeden Tag eine Stunde im Übungskeller
Der Hochschullehrer lud das Drumtalent zum Nachpraktikum nach München ein. Täglich dreieinhalb Stunden übt Leonard kurz vor den Wettbewerben, ansonsten taucht er jeden Tag eine Stunde in seinen Übungskeller ab. Leonard Weiss ist sich heute schon „ziemlich sicher“, dass er nach einem Musikstudium den Weg eines Berufsmusikers einschlagen wird. Er nimmt nicht nur an den ASM- und Bundeswettbewerben teil, er musiziert mit Schlagzeug, Kleiner Trommel, Xylofon, Marimbafon, Vibrafon und Klavier auch im Schwäbischen Jugendblasorchester, in der Nersinger Big Band, in der Jugendkapelle Nersingen-Fahlheim und im Blasorchester Fahlheim. Kein schlechtes Zeichen dafür, dass er auf dem Weg zu einem philharmonischen Leben ist.