Gabriele Schlipf aus Wullenstetten erlebte die Revolution in Ägypten. Ihre Fotos stellt sie nun aus. Von Michael Seefelder



Schikanen und überlebensgroße Mubarak-Porträts
„Reiner Zufall“ sei es gewesen, dass sie im Dezember 2010 nach Ägypten gereist ist, erzählt die Grafikdesignerin und Künstlerin, die in Wullenstetten aufgewachsen ist und seit rund zehn Jahren in Berlin lebt. Mit ihrem Laptop machte sie sich im Dezember 2010 auf den Weg in die Stadt El Gouna am Roten Meer, 30 Kilometer nördlich vom Touristenzentrum Hurghada entfernt. „Wie die Zugvögel“ habe sie es machen wollen und in warmen Gefilden überwintern, erzählt Gabriele Schlipf. Ihre Arbeit kann sie dank Computer von jedem Ort auf der Welt aus erledigen. Ihr erster Eindruck damals: Ägypten ist eine vollkommene Diktatur. Keine Bewegungsfreiheit, Schikanen für Ausländer und Frauen sowie riesige Mubarak-Porträts gehörten zum Bild. „Mein Gefühl war, die Ägypter haben Angst. Die standen unter totalem Druck“, erzählt Schlipf.
Schon bald sei spürbar geworden, „dass es bald explodiert“. Von El Gouna aus unternahm sie fünf Monate lang immer wieder Streifzüge durch das Land, stand auf dem Tahrir-Platz und geriet in eine Kopten-Demonstration, gegen die Panzer eingesetzt wurden. Die 38-Jährige hatte Angst. Doch sie wollte bleiben, Zeuge der Verbrechen des Regimes sein und von ihnen berichten.
Gabriele Schlipf erlebte Lebensmittelengpässe, Soldaten, „die einem nervös mit ihrem Maschinengewehr vor der Nase herumgefuchtelt haben“ und Menschen, die den Alltag durch Improvisationen meisterten. Doch sie lernte auch die andere Seite des Landes kennen. Entspannte Männer und Frauen und Menschen, die mutig für Frauenrechte, Demokratie und Freiheit eintraten.
Gabriele Schlipf wollte nicht nur Panzer und Soldaten fotografieren. Ihre Bilder zeigen private Momente, Familien in ihren Wohnungen oder Jugendliche auf der Straße, die sich nicht von deutschen Gleichaltrigen unterscheiden.
Teile ihrer insgesamt 5000 Bilder will Gabriele Schlipf in einem Fotobuch verarbeiten. Die ägyptische Revolution, sagt sie, habe sie verändert. „Wir sind alle zusammengewachsen in dieser Zeit.“
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